Kritik zu Der Tiger

© Amazon MGM Studios

2025
Original-Titel: 
Der Tiger
Filmstart in Deutschland: 
18.09.2025
Heimkinostart: 
02.01.2026
L: 
121 Min
FSK: 
16

Nach »Napola – Elite für den Führer« und »Die Welle« ­befasst sich Regisseur Dennis Gansel erneut mit der Verstrickung von ­Verführung und Verantwortung im Faschismus

Bewertung: 4
Leserbewertung
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Man sieht den fünf Soldaten, die schwitzend, zerschrammt und verdreckt in einen Tiger-Panzer gezwängt sind, die psychische Zerrüttung an. Das Leid, das sie erlebt, das Leid, das sie verursacht haben, hat Spuren hinterlassen, auf ihren Körpern, in ihrer Haltung, in ihren Blicken. Und es ist nicht zufällig, dass man sich an »Das Boot« erinnert fühlt, an den Film von Wolfgang Petersen, und an die Serie, an der Co-Drehbuchautor Colin Teevan auch schon beteiligt war.

»Der Tiger« spielt 1943 an der Ostfront, Monate nachdem das Gefecht um Stalingrad den Allmachtsfantasien Hitlers einen schweren Dämpfer versetzt hatte. Nachts auf einer umkämpften Brücke drängen die Männer von Leutnant Philip Gerkens (David Schütter mit einer sehr physischen Präsenz) zum Rückzug; er widersteht ihren zunehmend panischen Forderungen, harrt bis zum allerletzten Moment auf der Brücke aus, die um Mitternacht gesprengt werden soll, um den Durchmarsch der russischen Armee zu bremsen. Aus dem Maschinenraum des Panzers dringen die Rufe der Männer, doch erst im letzten Moment kommt das erlösende Kommando zum Rückzug: »Schneller, schneller, tritt aufs Pedal!«, rufen die Männer verzweifelt. »Wir schaffen es nicht!«, fürchten sie. »Wir schaffen es!«, hoffen sie. Und dann explodiert die Brücke. Das Letzte, was sie sehen, ist ein verloren wirkendes Reh, das sich aus dem Wald an den Kriegsschauplatz verirrt hat und um Orientierung ringt.

Immer wieder hat sich Dennis Gansel, wesentlich inspiriert von den Kriegserzählungen seines Großvaters, mit dem Nationalsozialismus und seinen moralischen Fragen beschäftigt. Nach »Napola« über die gleichnamige Eliteschule und dem gegenwärtig verorteten Experiment von »Die Welle« könnte man »Der Tiger« als Abschluss einer Trilogie über die Verstrickungen von Verführung und Verantwortung, von Schuld und Gewissen betrachten. Immer wieder, fast ein wenig zu oft, und zunehmend verzweifelt redet sich der Leutnant darauf heraus, dass er nur Befehle befolgt habe, dass Befehle der einzige Halt seien, dass ohne sie alles zerbrechen würde, und je mehr er davon spricht, desto klarer wird, dass er seiner Schuld nicht entkommt. Immer wieder gibt es verklärende Rückblicke in den Sommer '39, die letzte Zeit des Glücks und der Unschuld, bevor der Krieg kam. »Immer weiter kämpfen, immer weiter Krieg führen, bloß nicht zur Ruhe kommen, damit der Lateinlehrer und der Winzer, der Lokführer und der Bauernjunge schön mitmachen«, sagt der von Sebastian Urzendowsky gespielte Keilig.

Wenn man nur noch Explosionen sieht, Feuersbrünste, Rauchschwaden und berstendes Metall, liegt es nahe, dass alle gestorben sind. Andererseits: Solange man keine Toten sieht, bleibt immer eine Restunsicherheit, eine Resthoffnung. Auf der bauen Gansel und sein Co-Autor Teevan ihre Geschichte auf; immer wieder säen sie Zweifel und Unsicherheiten, in dunklen Nächten, an dunstigen Tagen, unter Wasser und im Feuer, nie ist die Sicht ganz klar und eindeutig. Dazu kreiert Kameramann Carlo Jelavic düster geheimnisvolle Alptraumlandschaften des Krieges, in denen man der Wahrnehmung nicht trauen kann. Neben Schütter machen auch Urzendowsky, Laurence Rupp, Leonard Kunz und Yoran Leicher viele Nuancen der Verunsicherung spürbar.

Kurz nach der Explosion versammelt sich das Tiger-Team wieder am Panzer, es gibt einen neuen, streng geheimen Einsatz. Sie sollen einen deutschen, womöglich übergelaufenen Oberst hinter den Frontlinien aufspüren und zurückbringen. Doch Operation Labyrinth ist ein Geisterauftrag. Und wie das Reh auf der Brücke ringen auch die Soldaten immer wieder um Orientierung: Woher kommen die Schüsse, wo sind Minen im Boden vergraben, woher kommen die feindlichen Panzer? »Der Tiger« ist ein Antikriegsfilm, in dem die harsche Realität zwischen Erschöpfungs-Tief und Methamphetamin-High fließend in posttraumatische Horrorvisionen übergeht.

Meinung zum Thema

Kommentare

Typisch deutsch!

Psychogequatsche, Demokratie im Panzer, Gut und Böse, Meuterei.
Absolute Narrative.

Bis auf die Panzeraufnahmen ist die Handlung Schrott. Nur was für Gutmenschen und deren Therapeuten.

Stimme vollkommen zu

Kann mich den enttäuschten Kommentaren nur anschließen. Ich habe mir den Film mit großen Erwartungen im Kino angesehen. Als Hobbyhistoriker mit Schwerpunkt WKII , muss ich sagen,daß ich mir das Ende des Filmes herbei gesehnt habe um den Kinosaal endlich zu verlassen ...

Katastrophen film

Das ist ein handwerklich sehr gut gemachter Film.
Das ist die erste gute Nachricht.
Nach gleich zwei Deja Vus am Anfang wusste ich im Prinzip worauf die Sache hinausläuft.
Brückenszene am Anfang. Aha, der gute alte Ambrose Bierce und sein "Ein Vorfall an der Eulenfluss-Brücke".
Kurz darauf: Wir suchen Paul von Hardenburg... aha, also Colonel Kurtz. Der Horror, der Horror.
Das ist keine Kritik, kennt ja nicht jeder.
Ich finde der Film spielt geschickt damit, deshalb gefällt er mir ausgezeichnet.
Der Kommandant ist nicht so charismatisch wie Cpt. Willard, Hardenburg ist kein Kurtz, dennoch gut gespieltes klaustophobisches Kino auf engstem Raum.

Ich kann mir nicht helfen: Ich fand den Film gut!
Auch das Ende - war entsprechend der Filmaussage - gelungen. Ich fühlte mich gut unterhalten!

im gegensatz zu den beiden vorkommentatoren -die anscheinend verklärende landser-romantik diverser 50ger-jahre wehrmachts-schundromane erwartet hatten-, bin ich als linksradikaler gutmensch angenehm vom "narrativ" des films überrascht worden und kann der positiven kritik oben nichts weiter hinzufügen ausser diesem kleinen (was nichts mit der qualität der produktion zu tun hat, die absolutes top-niveau ist), feinen, grossartig durchkomponierten deutschen film ne chance beim nächsten filmabend zu geben; 8 von 10.

Großer Schwachsinn, nichts anderes habe ich in dieser Demokratiesimulation erwartet! Das hätte Heintje Peter mit der Investsumme 10-mal besser insszeniert.

Als ehemaliger Soldat könnte die Handlung unsinniger nicht sein. Ein einzelner Kampfpanzer sickert ins Feindesland ein um einen geheimen Auftrag durchzuführen. Ich konnte den Film nicht zusende schauen da ich diesen als Beleidigung meiner Intelligenz aufgefasst habe. Hier hätte man im Vorfeld jeden Obergfreiten der Panzertruppe um Unterstützung fragen können um sich jedenfalls einigermaßen taktisch sinnvoll verhalten zu können. Natürlich brauchen Filme etwas gestalterischen Spielraum aber das war absurd. Als hätte man den Film Apollo 13 mit einem Segelschiff gedreht.

Hätte man wohl bis zum Ende schauen sollen, um den Film zu verstehen!

die unmöglichkeit und absurdität des "auftrags" ist integraler bestandteil der auflösung der handlung; wie mein vorposter schon meinte; zu ende schauen und alles macht sinn.

Ehrlich gesagt, mich hatte der Titel des Filmes enttäuscht.
Es geht überhaupt nicht um den Tiger, eher um Träume, wenn man nicht sterben will!
Und außerdem derart geschichtlich schlecht und unrealistisch dargestellt.
Das zerstörte SU-100 gab es beim Rückzug im Februar 1945 noch gar nicht!
Die ersten kamen erst Ende 1944 an die Front und waren maßgeblich an der Erstürmung Berlin`s zum Einsatz.

So, und nun muss ich ein Segelboot anklicken!

Guter Film. Unerwartetes Ende. Manche scheinen den Film nicht bis zu Ende gesehen zu haben , oder waren unkonzentriert. Beim zweiten Anschauen fallen mehrere Dinge auf, die beim ersten Mal "übersehen" wurden.
Gut gemacht.
Auch ein Einblick auf dass, was ein Einsatz an der Front mit Soldaten macht.
Letztendlich geht es auch um Kameradschaft, Zusammenhalt, Disziplin in Krisensituationen.

"um den Durchmarsch der russischen Armee zu bremsen"

Es war die sowjetische.

Jeder hat Russen gesagt, da Russland das grösste Mitglied und Initiator der Sowjetunion war. Niemand hat gesagt "Die Sowjets kommen" es war immer "Die Russen kommen"!

Als ehemaliger Panzersoldat der Bw (35 Dienstjahre) kann ich nur feststellen, dass es den Einsatz eines einzelnen Panzers und schon gar nicht eines Tiger-Panzers in einem Kommandounternehmen weit hinter den Frontlinien nie geben konnte.
Denkt man - neben den Einsatzgrundsätzen der Panzertruppe - nur an den Sprit- und Munitionsverbrauch bzw. die mangelnden Versorgungsmöglichkeiten.
Einzelner Tiger im feindlichen Hinterland, um einen Offz aufzuspüren - NO GO...

Auch nicht bis zum Ende geschaut?

Spoilerwarnung: stellt euch vor am Ende von der Soldat James Ryan springt ihr zum Anfang zurück und alles war nur ein Fiebertraum. In Wirklichkeit wurde der Charakter von Tom Hanks bei betreten des Strandes zu Beginn getötet und wir erleben seinen inneren FilmSo ist der Tiger. Kregskritische Themen wurden allenfalls angekratzt. Gute Story, gute Optik aber alles am Ende Bedeutngslos. Dieser Film ist reine Zeitverschwendung.

Noch nie habe ich so einen langweiligen Film gesehen und die Panzerszenen ist doch Schwachsinn! Und der Schluss? Was soll das denn für ein Unsinn sein? Ich habe den Schluss nicht verstanden! War das alles nur geträumt oder was? Einmal und nie wieder dieser Film!

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