Zu einer der vornehmsten Aufgaben für Filmkomponisten gehört es, die kleine und die große Geschichte miteinander zu verknüpfen. Das ist ein heikles Bündnis, denn das Intime und die Historie befinden sich selten im Einklang. Wojciech Kilar bewältigte diesen Spagat stets mit großer Wachsamkeit. Zuweilen stand er aber noch vor einer anderen, ziemlich exklusiven Herausforderung: von der Industriegeschichte seiner polnischen Heimat zu erzählen.
Die 1937 geborene Regisseurin Judit Elek hat die großen Traumata ihrer ungarischen Heimat durchlebt. Sie ist dem Ghetto in Budapest entkommen und als sie ihr Filmstudium begann, standen sowjetische Panzer in Budapest, um die Revolte niederzuschlagen. 1960 begann ihre Filmkarriere im unabhängigen Béla-Balász-Studio, wo eine neue Generation von Filmemachern von Janos Kadar gefördert wurde.
In Venedig werden wieder einmal die Stoppuhren gezückt. Man dachte, diese Manie habe sich allmählich gelegt. Aber auch in diesem Jahr muss jeder Schlussapplaus akkurat gemessen werden. Zumal die anglo-amerikanischen Presse sieht sich hier in der Chronistenpflicht. Am Montag war ein erster Rekord zu vermelden. Bei „The Smashing Machine“ dauerten die stehende Ovation 15 Minuten, welche den Hauptdarsteller Dwayne Johnson zu Tränen rührten.
Die 13 muss im Kino keine Unglückszahl sein. Die Regisseure beispielsweise, die im Lauf ihrer Karriere exakt so viele Filme realisiert haben, bilden eine illustre Riege: Jacques Becker, Antonio Pietrangeli und Stanley Kubrick, Der Japaner Shinji Sômai gehört ebenfalls in diesen exklusiven Kreis.
Das Plattdeutsch wird wahrscheinlich niemanden abschrecken. Im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, gerade in diesen Passagen des Trailers wurde das Publikum besonders hellhörig. Und im Notfall gibt es ja noch die Untertitel. Aber seit wann braucht ein hiesiger Film Untertitel?
Unlängst passierte mir ein fabelhaftes Missgeschick, das meine privaten Kinobesuche enorm bereichert hat. Ich hatte mein Notizbuch verlegt. Nun war ich gezwungen, auf schriftliche Anmerkungen während der Vorstellungen zu verzichten. Es war, als fiele eine Last von meinen Schultern.
J. Arthur Rank, der die wichtigen Fäden im britischen Nachkriegskino zog, war dem Vernehmen nach ein sehr religiöser Mensch. Neben der ohne zweifel aufreibenden Tätigkeit als Chef des nach ihm benannten Konzerns unterrichtete er regelmäßig in der Sonntagsschule. Der schlechte Einfluss, den Filme auf britische Familien ausüben könnte, sorgte den Methodisten sehr.
Im Frühjahr bahnte sich eine Kletterpflanze vorwitzig ihren Weg in das Gartenhäuschen, in dem ich schreibe, Filme schaue und Zigarren rauche. Das Geißblatt hatte eine winzige Lücke zwischen Dach und Fenster gefunden und stieß nun in den Innenraum vor wie das Tentakel eines freundlichen Ungeheuers.
Die Debatte über Nepo Babies, die vor wenigen Jahren heftig in den USA aufflammte („Sie hat die Augen ihrer Mutter. Und deren Agenten.“), wird in Frankreich eigentlich permanent geführt. Meist geschieht das etwas leiser und womöglich auch weniger abschätzig - man spricht einfach von "fils ou fille de..." Wie verbreitet das Phänomen ist, führt aktuell die Besetzungsliste von Cédric Klapisch' »Die Farben der Zeit« vor Augen.
Ich bewundere Künstler, die über den eigenen Tellerrand schauen und sich in das andere Lager hineinversetzen. Das gefiel mir beispielsweise an »Könige des Sommers«. Darin erzählt Regisseurin Louise Courvoisier vom Sohn einen Milchbauern, der halbwegs der Pubertät entwachsen ist und sich in den Kopf setzt, aus dem Stand den besten Comté der Region herzustellen hat. Diese Einfühlung ist indes längst kein so halsbrecherischer Spagat, wie ihn Emeric Pressburger in „The Glass Pearls“ wagt.
John Woo gilt als prägende Regiepersönlichkeit des modernen Hongkongkinos. Marcus Stiglegger über den »Maverick Director«, der sich selbst im Studiosystem Hollywoods einen unverwechselbaren Stil bewahrte.
Am 2. September werden die 83. Filmfestspiele von Venedig eröffnet. Das Programm verheiratet einmal mehr Kinoprominenz und internationales Autorenkino. Oasis kommen auch.
Werner Enke prägte mit »Zur Sache, Schätzchen« und seinem anarchischen Humor das Lebensgefühl einer Generation. Ein Rückblick auf den Schauspieler, Sprachkünstler und das unangepasste Kino der Münchner Gruppe.
Russell T Davies spricht über seine neue Serie »Tip Toe«, wachsende Homophobie, Online-Hass und die Schattenseiten queerer Sichtbarkeit – und erklärt, warum gesellschaftlicher Fortschritt niemals selbstverständlich ist.