Netflix: »Vladimir«

»Vladimir« (Miniserie, 2026). © Netflix

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#MeToo, Macht, Hierarchien und eine Professorin für Creative Writing stehen im Mittelpunkt der Serie von Julia May Jonas

Während hierzulande gerne Geschichten aus Klassen- und Lehrerzimmern erzählt werden, widmet man sich in Hollywood neben der High School auch regelmäßig dem Mikrokosmos College-Campus. Und das nicht nur mit Blick auf die Studierenden, sondern auch auf das akademische Personal. Die Bandbreite reicht dabei von gefälligem Humor wie aktuell in »Rooster« bis hin zu überzeichneten Thrillern à la »How to Get Away With Murder«. Und irgendwo dazwischen landet nun »Vladimir«.

Bevor nun jemand auf falsche Gedanken kommt: Die achtteilige Serie, für die Julia May Jonas ihren eigenen, gleichnamigen Roman adaptiert hat, ist absolut eine Komödie. Mit »HTGAWM« teilt sie allerdings die Tatsache, dass hier eine gestandene Professorin im Mittelpunkt steht, die nach und nach in Schieflage gerät. Denn diese namenlose Mittfünfzigerin (Rachel Weisz), die gleichzeitig auch die Erzählerin der Geschichte ist und an einer beschaulichen Ostküsten-Uni Creative Writing unterrichtet, ist an einem Punkt des Stillstands angekommen. Aus der (wohlgemerkt offenen) Ehe mit John (John Slattery), dem früheren Leiter des Englisch-Fachbereichs, ist die Luft raus, die Lehre ist Routine geworden und das eigene Schreiben liegt seit Jahren brach. Dass sich John obendrein wegen früherer Affären mit Studentinnen verantworten muss, macht ihre Position nicht einfacher.

Dann allerdings tritt Vladimir (Leo Woodall) seinen Job am Lehrstuhl an, ein literarischer Shootingstar, der als Assistant Professor engagiert wurde und mitsamt der ebenfalls unterrichtenden Ehefrau Cynthia (Jessica Henwick) und Kleinkind auf der Bildfläche erscheint. Mit einem Mal erwachen in der Protagonistin beinahe in Vergessenheit geratene Gefühle, die nicht nur Abwechslung und neue kreative Impulse mit sich bringen, sondern auch zusehends unvernünftigeres Verhalten nach sich ziehen, bevor die Situation irgendwann emotional wie beruflich endgültig eskaliert.

Midlife-Krisen-Geschichten über Frauen sind immer noch selten genug, um als erfrischend durchzugehen, und »Vladimir« macht in dieser Hinsicht besonders viel Spaß. Nicht zuletzt dank einer spielerischen Leichtfüßigkeit, mit der hier ans Werk gegangen wird. Immer wieder durchbricht die alles andere als zuverlässige Erzählerin die vierte Wand und wendet sich direkt ans Publikum, während ihre größtenteils sexuellen Phantasien fester Bestandteil der Handlung werden und ihr inneres Chaos wie ihr erotisches Begehren sich immer wieder auch auf den Erzählansatz der Serie niederzuschlagen scheinen.

#MeToo mitsamt aller Diskurse um Einverständnis und Machtstrukturen, Hierarchien und Mechanismen der Geisteswissenschaften oder Anspielungen an die Literaturgeschichte – all das ist Bestandteil von »Vladimir«, schwingt aber oft eher am Rande mit, als dass der Sache wirklich auf den Grund gegangen wird. Doch der böse Witz der Serie ist zu smart, zu sexy und zu stimmig, als dass man sich daran stören würde. Und Rachel Weisz einmal mehr so charismatisch und nuanciert, dass man sich selbst am fragwürdigsten Vorgehen ihrer Figur nicht sattsehen kann.

OV-Trailer

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