Netflix: »Peaky Blinders: The Immortal Man«

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Das Finale der langlebigen Serie über brutale Gangs im Großbritannien der 1920er bis 1940er erscheint als Spielfilm

Die nächste Prestigeserie auf Netflix (eigentlich ein BBC-Format, aber international über den Streamingdienst bekannt geworden) kommt an ihr Ende. Nachdem bereits 2022 die sechste Staffel lief, folgt zum Abschluss nun ein Film. Birmingham, 1940: Mitten im Zweiten Weltkrieg ist das einstige Gangsterimperium von Tommy Shelby (Cillian Murphy) längst zu Staub zerfallen. Von seiner Familie, für die er gekämpft hat, ist kaum noch jemand am Leben. Wie ein Schatten haust er in seinem Anwesen, das an ein Spukhaus erinnert. Die Geister der Menschen, die ihm einst nahestanden, lassen ihn nicht los. Der ehemalige Unterweltkönig hat sich aus der Welt zurückgezogen.

Unterdessen hat sein unehelicher Sohn Duke (Barry Keoghan) Tommys Gang, die Peaky Blinders, übernommen und agiert noch unmoralischer als vormals sein Vater, der sich zumindest an einen Verbrecherkodex gehalten hat. Die weitere Story ist inspiriert von der historisch verbrieften »Aktion Bernhard«, einer gigantischen Fälschungsaktion der Nazis, die damals versucht haben, Großbritannien mit Hunderten Millionen Pfund Falschgeld zu destabilisieren. Um dieses ins Land zu schleusen, wollen sich die Faschisten hier der Peaky Blinders bedienen – ohne das Wissen von Tommy Shelby, der als »gipsy king« stets ein erbitterter Nazigegner war. Ein shakespearescher Vater-Sohn-Konflikt bahnt sich an.

Der Film wirkt, auch wegen des langen Abstands zur Serie, ein wenig nachgeschoben. Bereits die letzten beiden Staffeln hatten dramaturgisch wenig Neues zu bieten. Optisch ist er nach wie vor stilsicher, auch wenn er, abseits von Bombardierungen, nicht opulenter inszeniert ist als eine der Serienfolgen. Es fällt schwer, hier in das »Peaky-Blinders«-Universum einzutauchen, wenn man vor dem Film nicht ein paar Staffeln gesehen hat. Zu wenig werden die Figuren und ihre Beziehungen erklärt. Auch die Abwesenheit zentraler Seriencharaktere, die nur halbherzig begründet wird, fällt negativ ins Gewicht.

Doch wie schon in der Serie bildet, neben dem unverkennbaren Style (modische Kostüme und anachronistische Untermalung mit moderner Musik), die Figur des Tommy Shelby, Cillian Murphys Paraderolle, das Zentrum. Sein unnahbarer Auftritt übt einen hypnotischen Sog aus. Die vielen Schichten, unter denen er seine Traumata verbirgt, lassen sein Gesicht maskenhaft wirken. Zugleich strahlt er eine unerschütterliche Autorität aus. In einer Szene wirkt er beinahe messianisch, als er nach langer Abwesenheit durch die verwüsteten Straßen Birminghams reitet und von der Bevölkerung wie ein Heiland empfangen wird. Einer, der geachtet und gefürchtet wird, dem Orientierungslose folgen, obwohl er letztlich vor allem eine Kreatur der Gewalt des frühen 20. Jahrhunderts ist: ein Mann, geformt durch die Kriegserfahrungen in Flandern, der sein Reich mit Gewalt aufgebaut und durch sie wieder verloren hat und der, unfähig ihr zu entkommen, auch seine Erlösung in der Gewalt findet. Ein konsequenter Schlusspunkt.

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