DVD-Tipp: »Im Banne des Dr. Monserrat«

»Im Banne des Dr. Monserrat« (1967). © Verleih

»Im Banne des Dr. Monserrat« (1967). © Verleih

Gedankenkontrolle

»Der Hexenjäger«, jenen überaus düsteren Film, der ihn berühmt machte, drehte er im Alter von 23 Jahren, ein Jahr später, 1969, starb er an einer Überdosis Schlaftabletten. Was wäre aus Michael Reeves geworden, hätte er länger gelebt? Dass er Talent hatte, kann man an seinem zweiten Film »Im Banne des Dr. Monserrat« sehen, der jetzt als gut ausgestattetes Mediabook erschienen ist. Seine beste Beigabe: eine neue, abendfüllende Dokumentation über diesen cinéaste maudit. Reeves war ein ausgesprochener Cineast, kam aus begütertem Hause und drehte auf dem elterlichen Anwesen mit 15 seinen ersten Kurzfilm. 1962 klingelte er in Kalifornien an der Tür von Don Siegel, den er besonders verehrte. Der verschaffte ihm einen Job beim Film, es folgte die Beschäftigung bei zwei US-Großproduktionen, die in Europa gedreht wurden, und die Assistenz bei einem in Italien gedrehten B-Horrorfilm. Mit einem solchen, »The She Beast«, gab er 1966 sein Regiedebüt, dem im darauffolgenden Jahr »The Sorcerers« folgte, in Deutschland 1969 unter dem Titel »Im Banne des Dr. Monserrat« in den Kinos.

Groß prangt auf dem Plakat der Name von Boris Karloff. Junge Fans des fantastischen Films hierzulande kannten damals natürlich seinen Namen, etwa aus »Frankenstein«. Doch diese klassischen Monster lockten 1967 kein großes Publikum mehr in die Kinos, das britische Studio Hammer Films, seit Ende der Fünfzigerjahre auf Gothic Horror spezialisiert, bekam das zu spüren und versuchte, Anfang der Siebziger die Filme mit Nacktheit anzureichern

»The Sorcerers« ist allerdings ein zeitgenössischer Horrorfilm, wie er sich nicht zuletzt mit dem großen Erfolg von »Rosemaries Baby« im folgenden Jahr etablierte. Trotz geringer Mitte gelang es Reeves, das Alte des Horrorfilms (in Gestalt der Mitwirkung der Ikone Karloff ) mit dem Neuen zu verbinden. Dr. Monserrat und seine Frau und Mitarbeiterin haben sich der wissenschaftlichen Hypnose verschrieben, mit der von ihnen konstruierten Maschine können sie die Gedanken eines anderen Menschen kontrollieren. Der junge, gelangweilte Mike wird ihr Opfer. »Terror for kicks« lautete der Arbeitstitel des Films: Indem das Ehepaar Mikes Gedanken steuert, kann es sich noch einmal jene Aufregungen verschaffen, für die es körperlich zu alt ist. Der Diebstahl eines Pelzmantels, dann der Geschwindigkeitsrausch durch eine Fahrt auf dem Motorrad sind erst der Anfang. Während Monserrat dies als eine Möglichkeit sieht, es allen Alten zukommen zu lassen, beansprucht seine Ehefrau es für sich allein. Immer heftigere Stimulationen verlangt sie, bis hin zum Mord. Da ist der Film durchaus selbstreflexiv, handeln doch auch die Personen auf der Kinoleinwand stellvertretend für den Zuschauer – man kann »The Sorcerers« aber auch als eine Vorwegnahme von Virtual Reality sehen, also als Film, der seiner Zeit voraus ist

Das Gegeneinander von Alt und Neu übersetzt der Film in die eher statischen Szenen des Ehepaars in seiner kleinen Wohnung und die dynamischen Außenaufnahmen um Mike. Aber der Film stellt die Jugendkultur nicht aus, seine Clubszenen mit mehreren ohrwurmhaften Songs fügen sich ein, der Verzicht auf leuchtende Farben und touristische Londonlocations unterstreicht das Alltägliche.

Neben der höchst informativen Dokumentation »The Magnificent Obsession of Michael Reeves« (2019) von Dima Ballin (Regie) und Kat Ellinger (Buch), die Weggefährten und Filmhistoriker in erfreulich langen Statements zu Wort kommen lässt, enthält die Blu-ray einen Beitrag über den Komponisten Paul Ferris, Trailer und zwei Audiokommentare, einen mehr szenenbezogenen von Volker Kronz und Uwe Sommerlad und einen allgemeineren, bei dem die Informationen aus Rolf Giesen nur so heraussprudeln und Gerd Naumann wenig Zeit für Einwürfe bleibt. Ein zwanzigseitiges, reich illustriertes Booklet enthält lesenswerte Texte von Sommerlad und Lars Dreyer-Winkelmann.

 

The Sorcerers. GB 1967 R: Michael Reeves. Da: Boris Karloff, Catherine Lacey, Elizabeth Ercy, Victor Henry, Sally Sheridan, Alf Joint. Anbieter: Anolis (Blu-ray im Mediabook).

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