DVD-Tipp: »Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber«

»Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber!« (1989). © justbridge entertainment

»Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber!« (1989). © justbridge entertainment

Anmut und Ekel

Er ist einer dieser Filme, die förmlich nach der großen Leinwand schreien, mit seinen opulenten Totalen, den detailgespickten Tableaux vivants in Primärfarben, den ausgefeilten Kompositionen von Vorder- und Hintergrundgeschehen. Das Heimkino wird bei Greenaways »Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber« also kaum ganz glücklich machen. Umso mehr wäre für eine Blu-ray die bestmögliche Wiedergabe des Ausgangsmaterials zu wünschen. Das bietet die neue Mediabook-Edition von justbridge Entertainment leider nicht. Die Bildqualität der Blu-ray ist gerade mal annehmbar, mit Unschärfen in den Details und voller kleiner Verschmutzungen.

Bedauerlich ist zudem das Fehlen jeglicher bewegter Extras, immerhin informiert ein liebevoll gestaltetes 20-seitiges Booklet über Hintergründe zum Film und Peter Greenaways sonstiges Schaffen. Und trotz der Schwächen dieser Veröffentlichung zieht der wohl zugänglichste Film des britischen Regie-Exzentrikers aus dem Jahr 1989 auch heute noch unweigerlich in seinen Bann.

Inspiriert vom jakobinischen Theater und dem Grand Guignol entspinnt sich da in bühnenhaftem Setting eine grausame Geschichte von Tyrannei, Untreue und doppelter Rache: Der Gangster und Möchtegern-Gourmet Albert Spica (Michael Gambon) ist Mitbesitzer des Nobelrestaurants »Le Hollandais«, wo Spitzenkoch Richard (Richard Bohringer) seine erlesenen Speisen kreiert. Jeden Abend tafelt Albert dort mit seiner unglücklichen Frau Georgina (Helen Mirren) und seinen Spießgesellen. Eine Katastrophe bahnt sich an, als Georgina eine leidenschaftliche Affäre mit dem Buchhändler Michael (Alan Howard) beginnt. Drastisch ist der Film allerdings schon vor der blutigen Eskalation dieses Beziehungsgeflechts. Bereits die erste Szene schockiert mit Fäkalien und Gewalt.

Die kühle Inszenierung und die Musik Michael Nymans verleihen dem ganzen Geschehen zudem etwas Zeremonielles. Wie stets bei Greenaway strotzen die Bilder nur so von Anspielungen auf Kunst- und Kulturgeschichte. Die Sogwirkung des Films hängt aber nicht davon ab, all diese Verweise zu sehen oder gar zu verstehen. Ob als Allegorie auf den Kunstbetrieb oder böse Farce über Macht und Ohnmacht – Greenaways Werk erscheint zeitlos.

 

 

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