Film des Monats November »Paterson«

© Weltkino

2016
Original-Titel: 
Paterson
Filmstart in Deutschland: 
17.11.2016
Musik: 
V: 
L: 
117 Min
FSK: 
keine Beschränkung
Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Paterson braucht keinen Wecker. Er wacht jeden Tag kurz nach sechs auf, manchmal ist es ein bisschen später. Seine Frau Laura kann weiterschlafen, während Paterson frühstückt. Dann macht er sich mit seiner Lunchbox und einem Notizbuch auf den Weg. Der junge Mann arbeitet als Busfahrer in einer Stadt in New Jersey, die denselben Namen trägt wie er; in seiner Freizeit schreibt er Gedichte. Damit steht er in einer Tradition: Paterson-Stadt ist nicht unbekannt, sie hat den großen Lyriker William Carlos Williams zu einem Versepos inspiriert. Es gab einmal Industrie hier, aber inzwischen sind die Straßen heruntergekommen, es sind einfache Leute, die Paterson in seinem Bus chauffiert, Latinos, Schwarze, Arbeiter, Schulkinder, und das Leben scheint wenig Höhepunkte zu bieten. Vielleicht wird Paterson aber irgendwann seine Gedichte veröffentlichen. Oder die erfinderische Laura, die sich als Designerin, Bäckerin und Countrysängerin imaginiert, macht Karriere.

Der neue Film von Jim Jarmusch erzählt von einer paradoxen, schwer zu fassenden Erfahrung: einem Leben, das so durchstrukturiert ist – Arbeit, Freizeit, Wachen, Schlafen –, dass es jede Form zu verlieren scheint. Die Handlung in »Paterson« erstreckt sich über eine Woche, hält an den immer gleichen Stationen im Alltag des Helden. Und doch ist jeder Tag ein bisschen anders. Denn Paterson und die Menschen in seiner Umgebung verstehen es, im Fluss der Zeit ihre eigenen Zeichen zu setzen. Jarmusch macht das im Dialog wie auf der Bildebene sinnfällig. Muster, Reime und Korrespondenzen prägen den ganzen Film: von der Anordnung der Buchstaben auf einer Streichholzschachtel, die Paterson bedichtet, bis zu den Geschichten, die sich die Pendler im Bus erzählen. So feiert der Film, was man im Zeitalter der digitalen Formierung schon fast verloren glaubte: die »Kunst des Handelns« im Alltag, die Kreativität der Einzelnen. Am Ende ist es gar nicht mehr so wichtig, ob Paterson als Lyriker reüssiert: Der Film ist selbst ein Gedicht.

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