Wiederaufführungen sind die neuen Sequels

»Moselfahrt aus Liebeskummer« (1953) [WA: 29.9.]

»Moselfahrt aus Liebeskummer« (1953) [WA: 29.9.]

Unsere "steile These" des Monats Oktober

Warum sich den Kopf über neue Filmideen zerbrechen, wenn es viel einfacher geht: Die Wiederaufführung (WA) ist die nächste Stufe der Kinoverwertungslogik – und die konsequenteste. Allein in diesen Wochen starten zehn Filme erneut in den deutschen Kinos, nicht recycelt oder als Fortsetzung, sondern schlicht so, wie sie waren. Verdenken kann man es den Verleihern nicht. Das Publikum mag Bekanntes. Die Blockbuster des Jahres sind einmal mehr Franchise-Ware, Sequels und Remakes – kein Wunder, dass jedes Hollywoodstudio seine Marken auswringt bis zum letzten Cent. Gerade hat es mit dem Remake-Sequel »Es – Kapitel 2« ein zweifach wiedergekäutes Produkt an die Spitze der Charts geschafft. Der Film war aber auch in der Herstellung nicht ganz billig, und wozu die Investition, wenn sich mit Originalen selbst aus der Mottenkiste viel einfacher, kostengünstiger und mit verschwindend geringem kreativem Aufwand noch mal Profit generieren lässt. Vorwände und Anlässe finden sich leicht – ein Director's Cut wie bei »Léon – Der Profi« (30.9.), eine digitale Restaurierung wie beim weinseligen Fünfzigerjahreschwank »Moselfahrt aus Liebeskummer« (26.9.) oder ein Jubiläum wie im Fall von »Forrest Gump – 25th Anniversary« (13.10.). 30 Jahre Mauerfall sorgen für eine ganze Welle an Wiederverwertungen: von Bullis Thriller »Ballon« (4.11.) bis zur Komödie »Go Trabi Go« (7.11.). Doch selbst diese Anstrengungen braucht es nicht: Kinderfilmklassiker wie »Momo« (7.10.) und »Pumuckl und der blaue Klabauter« (26.9.) empfehlen sich dank neu herangewachsener Zuschauergeneration als monetäre Dauerbrenner.

Das Alter der Filme scheint dabei kaum eine Rolle zu spielen, der älteste ist von 1953, der jüngste, »Ballon«, startete erst vor einem Jahr im Kino. Ob sich dafür nun erneut Zehntausende vom Sofa erheben werden, ist zweitrangig. Die Rechnung geht dank minimaler Investitionen schnell auf. Der eine oder andere Zuschauer mag sich über solche Wiederbegegnungen freuen. Irgendwann aber wird die Masse des So-schon-mehr-oder-weniger-Dagewesenen wie ein Propf die Kinokanäle verstopfen. Bitte mal durchspülen!

Meinung zum Thema

Kommentare

Bevor es ein schlechtes Remake gibt, schaue ich lieber eine Wiederaufführung. Oft genug bietet es die einzige Gelegenheit, Klassiker in adäquater Aufführung zu erleben. Das halte ich für einen wichtigen Aspekt, denn viele Filme hat man eigentlich nicht richtig gesehen, wenn man sie nicht einmal im Kino erleben konnte. Und man darf nicht vergessen, dass vor der flächendeckenden Ausbreitung des Heimkinos durch VHS und vor allem DVD Wiederaufführungen willkommene "Lückenfüller" z.B. für die Sommerferienzeit waren. Für mich verstopfen daher eher Prequels, Sequels oder unmotivierte Remakes die Kinokanäle.

Ich wundere mich sehr, ausgerechnet hier (bzw. im Heft) eine solche These zu lesen. Wer sich einmal die Wochenprogramme der Kinos anschaut, der wird unweigerlich feststellen, dass eher die Filme aus dem Marvel/DC-Universum und etliche andere (überflüssige) Remakes und Sequels die Säle verstopfen. Wo findet denn die angebliche „Masse“ an Wiederaufführungen statt? Welches Kino zeigt denn „Belle de Jour“, „Die Reifeprüfung“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ in 4K? Ganz ehrlich: Wenn jetzt sogar Sie schon anfangen, sich die Filmgeschichte aus den Kinosälen herauszuwünschen, frage ich mich echt, ob ich hier noch richtig bin.

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