Kritik zu Bruno – Der junge Kreisky
Harald Sicheritz hat ein Biopic gedreht, das die politischen Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, zwischen der Linken an sich und den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren differenziert darstellt.
Es ist der große, der entscheidende Moment für den jungen Bruno Kreisky. Nach mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft steht der Jurastudent und frühere Funktionär der »Sozialistischen Arbeiterjugend « wegen Hochverrats vor Gericht. Als einem der Gründer der im Untergrund tätigen »Revolutionären Sozialistischen Jugend « wird ihm der Prozess gemacht. Diesen Prozess verwandelt der von Nils Arztmann gespielte Kreisky in Harald Sicheritz’ Film in ein Referendum über demokratische Ideen von Freiheit.
Im faschistischen Österreich des Jahres 1936 steht Kreisky damit politisch zwar auf verlorenem Posten. Aber Wirkung zeigt sein flammendes Plädoyer trotz alledem. Zunächst spricht er noch zu seinem Richter. Aber schließlich dreht er sich um und wendet sich mit seinen letzten Sätzen direkt an die hinter ihm versammelte internationale Presse: »Die Rückkehr zur Demokratie ist möglich …, ganz ohne blutige Gewalt.«
In diesen Worten liegt eine Hoffnung, die Kreisky als Protegé Otto Bauers, des im Exil lebenden Vorsitzenden der verbotenen Sozialistischen Partei Österreichs, wohl selbst kaum hatte. Dennoch verfehlen sie nicht ihre Wirkung. Schließlich richten sie sich nicht nur an die Presse im Gerichtssaal und die Richter auf der Bank. Sie zielen direkt auf das Publikum im Saal vor der Kinoleinwand. Noch haben Österreich und Deutschland ihre Demokratien zwar nicht verloren. Angesichts der Erfolge von Parteien wie der FPÖ und der AfD steht es um sie gegenwärtig jedoch nicht gerade zum Besten.
Es ist kein Zufall, dass Sicheritz’ Biopic über den späteren Bundeskanzler in einer Zeit entstanden ist, in der die Neue Rechte in ganz Europa auf dem Vormarsch ist und in den Vereinigten Staaten weitestgehend die Macht in Händen hält. »Bruno – Der junge Kreisky« ist ohne Zweifel ein Versuch, nationalistischen und faschistischen Erzählungen ebenso wie autoritären und neofeudalen Bestrebungen eine freiheitliche und demokratische Vision entgegenzustellen.
Am deutlichsten offenbart sich die extrem komplexe politische Situation jener Zeit, in der die Risse immer auch durch die jeweiligen Lager gingen, in den Momenten, in denen Kreisky antisemitischen Angriffen vonseiten seiner Genossen ausgesetzt ist. Der Hass auf die Juden war eben nicht allein die Domäne der Nationalsozialisten, sondern tief in allen Schichten und Gruppierungen der österreichischen Gesellschaft verankert.
Diese durchaus mutige historische Genauigkeit lässt Sicheritz’ Film an anderer Stelle vermissen. Dem Genre entsprechend erfindet der Film eine fiktive Liebesgeschichte zwischen Kreisky und der Friseurin und Sängerin Adele (Maya Unger). Und diese extrem holzschnittartig gezeichnete Liebesgeschichte nimmt über weite Strecken des Films mehr Raum ein als die Darstellung der historischen Ereignisse. Dadurch wirft der Film für alle, die nicht hervorragend bewandert sind in der Geschichte Österreichs von den späten 1920er Jahren bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938, in vielen Momenten Fragen auf, die nur eine nachträgliche Recherche klären kann.





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