DVD-Tipp: »Kinki – Cursed Land« (2025)

»Kinki« (2025). © Busch Media

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Zwei Autoren eines Mystery-Magazins geraten mitten hinein in die Welt der Geister und des Okkultismus

Ungefähr eine Woche vor der Abgabe eines dicken Essays verschwindet der Autor einer auf Unheimliches und Seltsames spezialisierten kleinen Nischenzeitschrift. Am Abend wühlt er sich noch in einem Archivraum durch sein zusammengetragenes Material, am Morgen ist er weg. Sein Laptop auch, und damit der bereits begonnene Artikel. Also müssen Yūsei und Chihiro, die mit der Rekonstruktion des wirtschaftlich so wichtigen Features (25 Seiten!) betraut werden, noch einmal von vorn anfangen. Sie graben sich durch die Zettel und Hefte, vor allem aber sichten sie die Aufzeichnungen auf Videos, DVDs, CD-ROMs und Datensticks sowie zahlreiche Internet-Clips, um herauszufinden, was Sache war.

Was Regisseur Kōji Shiraishi die Gelegenheit gibt, so ziemlich jedes Thema, jedes Motiv, jede Trope und jedes Klischee des unter dem Begriff J-Horror berühmt gewordenen Genres aufzurufen. Das sorgt sowohl für ordentlich Gänsehaut als auch – zumindest bei den Anhängern dieser atmosphärischen Gruselspielart – für nerdige Freude. Rachsüchtige Geister (Yūrei) finden sich ebenso selbstverständlich ein wie das Video, nach dessen Ansicht man eines schrecklichen Todes stirbt. In ironisch zitierten albernen japanischen TV-Shows werden kichernde Hochschülerinnen interviewt, denen der Zynismus bald vergehen wird. Frauen üben den Spinnengang, Männeraugen werden schwarz, Kinder spielen grausame Spiele, Hälse werden lang und länger, und Arme recken sich hilfesuchend in Richtung eines seltsam gewachsenen Baums. Und dann ist da noch ein vulkanisch wirkender Stein … Auf der Suche nach der wahren Geschichte geraten Yūsei und Chihiro immer tiefer hinein in ein Dickicht aus modernen und alten Legenden.

Vieles, das den J-Horror ausmacht und in westlichen Augen einzigartig wirken lässt, hat seinen Ursprung in der bedeutenden Tradition der Geistererzählungen und damit letztlich im Animismus, der die Religiosität des Inselreichs prägt. Wo Gegenstände beseelt sein und Götter, Dämonen und Fabelwesen (Yōkai), deren es viele gibt, Gestalt annehmen und diese dann zudem noch wandeln können – da kann auch ein Gespenst aus dem Fernseher kriechen, und da kann allein ein Handyklingeln zum Tode führen. In diesem kulturellen Resonanzraum will auch das großartig imaginierte Finale von »Kinki« gesehen werden. Es ruft eine geschlechtliche Vereinigung zweier spiritueller Wesenheiten wach, die in vordergründig harmlosen Naturphänomenen hausen, und stellt den beeindruckenden Entwurf einer entfesselten Fantasie dar, die sich historisch abgesichert weiß.

In der Welt der japanischen Geistergeschichten gehen das Monströse und die Verblendung oftmals Hand in Hand. Wie in der Geschichte des Gestaltwandlers Kitsune (ein Fuchsgeist), der als Frau eine Liebesbeziehung mit einem Menschenmann eingeht und eine Familie gründet. Die Erkenntnis der Wahrheit kommt spät und ist schmerzhaft, sie verweist mit Nachdruck auf Grenzen, an die es sich zu halten gilt. Früher, jetzt und in Zukunft. Hier wie dort.
 

»Kinki« Japan 2025. R: Kōji Shiraishi. Da: Eiji Akaso, Miho Kanno, Atom Shukugawa. L: 103 Minuten. Anbieter: Busch Media.

VÖ: 5. November 2026

Bestellmöglichkeit (Blu-ray + DVD)

 

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