ARD-Mediathek: »Breitscheidplatz 19/12«

»Breitscheidplatz 19/12« (2026). © ARD Degeto Film/HR/NDR/rbb/NEUESUPER GmbH/Sofia Velasquez

© ARD Degeto Film/HR/NDR/rbb/NEUESUPER GmbH/Sofia Velasquez

David Nawrath erzählt in dem packenden Thriller vom Behördenversagen vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 2016

Anis Amri wurde überwacht, verhaftet und wieder freigelassen. Sicherheitsbehörden hatten ihn monatelang auf dem Schirm, auch wenn er mit verschiedenen Identitäten Verwirrung stiftete. Dennoch konnte der Tunesier am 19. Dezember 2016 den Lkw-Fahrer einer polnischen Spedition in Berlin erschießen und mit dessen Fahrzeug auf das Gelände des Weihnachtsmarkts am Breitscheidplatz rasen, dreizehn Menschen töten und zahlreiche weitere verletzen.

Mehrere Untersuchungsausschüsse beschäftigten sich mit den Versäumnissen der Behörden – und jetzt auch eine ARD-Serie: »Breitscheidplatz 19/12« erzählt in viereinhalb Stunden von der Vorgeschichte des Attentats. Von radikalen Zellen, in denen junge Männer für den Islamischen Staat angeworben werden, und von der Arbeit einer Staatsschutzabteilung in Nordrhein-Westfalen, die Gefährder identifizieren und überwachen soll. Ein Stück Zeitgeschichte aus den Jahren 2015 und 2016, herausragend besetzt und zu einem packenden Polit- und Polizeithriller verdichtet.

Albrecht Schuch spielt den Staatsschützer Frank Laudin, der keine Konflikte mit Vorgesetzten und anderen Behörden scheut, aber auch zunehmend zwanghafte Züge trägt. Besonderen Eindruck hinterlässt Bayan Layla als Isra Al-Husseini, die als 13-Jährige vor dem IS aus dem Irak geflüchtet war und nun als junge Polizistin aufgrund ihrer Sprachkenntnisse von Laudin angeworben wird. Nicht nur aufgrund dieser zentralen Figur vermeidet Autor und Regisseur David Nawrath eine holzschnittartige Erzählung, auch wenn es an bärtigen, radikalen Muslimen und gewaltverherrlichenden Predigten nicht mangelt.

In weiten Teilen ist »Breitscheidplatz 19/12« zudem ein klassischer Undercover-Thriller, in dem eine vom Staatsschutz angeheuerte »Vertrauensperson« Informationen über eine islamistische Zelle sammelt, wobei die Tarnung mehrfach aufzufliegen droht. Diese von Tamer Trasoglu gespielte Figur steht auch für den Wunsch von Menschen mit Einwanderungsgeschichte nach Anerkennung, der sich nie ganz erfüllt.

Und Anis Amri? Der ist gewissermaßen der freie Radikale in dem Stück, einer, der mal hier, mal dort auftaucht und an dem außer Laudin und seiner Abteilung niemand so recht Interesse zeigt. Auch in den islamistischen Hinterzimmern bleibt der von Wael Alkhatib gespielte Amri eine meist stumme Randfigur. An das Attentat selbst und seine Opfer wird in der sechsten und letzten Folge ohne unangemessene Effekthascherei erinnert.

»Bis heute bleiben die genauen Umstände des Anschlags ungeklärt«, ist am Ende auf einer Schrifttafel zu lesen. Nawrath und Co-Autor David Marian erinnern daran, dass noch viele Fragen offen sind. Dokumente von Behörden und Geheimdiensten werden immer noch unter Verschluss gehalten. Damit bleibt Raum für Spekulationen. Die »detailliert recherchierte Serie« (ARD-Degeto-Geschäftsführer Christoph Pellander) beteiligt sich daran nur insofern, als sie eine mögliche Verbindung zu einem Luftangriff der USA auf einen IS-Stützpunkt in Libyen herstellt.

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