Kritik zu Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld
Im dritten Kinofilm über das wuselige Schaf Shaun und seine Herde aus der Plastilinschmiede Aardman geht’s gruselig zu: Eine mysteriöse Mixtur lässt nicht nur Kürbisse sprießen.
Shaun ist schuld! Der etwas tollpatschige Farmer hat gerade – ohne böse Absicht – das komplette Kürbisfeld zertrampelt, das Shaun für die Schafherde zu Halloween angelegt hat. Also mischt das pfiffige Schaf kurzerhand aus einem alten Buch ein Mittel zusammen, das Kürbisse in Windeseile wachsen lassen soll. Das funktioniert, allerdings mit einem Nebeneffekt: Ein Teil der Substanz ist in der Flasche mit dem Haarwuchsmittel des Farmers gelandet – und der verwandelt sich dadurch in ein äußerst haariges Wesen.
Für das dritte abendfüllende Leinwandabenteuer des hierzulande aus der »Sendung mit der Maus« bekannten Protagonisten aus der britischen Animationsschmiede Aardman (die weiterhin die Stop-Motion-Technik mit Plastilinfiguren pflegt) haben sich die Macher, passend zu Halloween, am Horrorfilm orientiert. Das fantastische Element war ja schon immer ein zentraler Bestandteil der Aardman-Filme, angefangen 1989 mit dem ersten »Wallace & Gromit«-Kurzfilm »A Grand Day Out«, in dem das Duo in einer selbst gebauten Rakete zum Mond flog, da ihm der geliebte Käse ausgegangen war (aus dem der Mond ja bekanntlich besteht). In ihrem ersten abendfüllenden Kinofilm bekamen sie es dann mit einem Riesenkaninchen (im Original »were-rabbit«) zu tun, während Shaun und seine Herde in ihrem zweiten Leinwandabenteuer einem gestrandeten außerirdischen Baby zu Hilfe kamen.
Wie die sechsminütigen Fernsehepisoden kommen auch die »Shaun«-Kinofilme ohne Dialoge aus, was sie weltweit auch für die jüngsten Zuschauer attraktiv macht (kürzlich tauchten sie im iranischen Dokumentarfilm »All my Sisters« auf ). Entsprechend ist der Schrecken hier sehr gedämpft, die erwachsenen Zuschauer dürfen sich an filmischen Zitaten erfreuen, von denen eines wirklich genial ist: Wenn die Schafe sich im Badezimmer verstecken und das Monster sich nähert, zitiert die Musik Bernard Herrmanns Psycho-Crescendo – und zeigt dann, wodurch diese Töne entstanden sind: Eines der Schafe hat gerade Zahnseide benutzt. Das abendfüllende Format ermöglicht, dass die Figuren eine größere Individualität entwickeln können: Der nicht mehr ganz junge Farmer macht sich angesichts eines geplanten Halloween-Dates mit der jungen Tierärztin Gedanken um seine schütter gewordenen Haare, wenn er traurig auf ein altes Foto blickt, das ihn mit langen Haaren zeigt. Dass er sich dann zu Halloween in ein (zu) enges schwarzes Cowboykostüm zwängt, ist schon tragikomisch.
Shaun selbst zeigt der Film zeitweise nicht mehr als die Lichtgestalt, die er sonst war, seine Herde mit Intelligenz und Einfallsreichtum durch alle Widrigkeiten geleitend. Wenn er hier unter dem Zeitdruck des bevorstehenden Halloweenfestes auf ein zufällig entdecktes sehr altes Buch zurückgreift, um eine Mixtur zu kreieren, die die Kürbisse in kürzester Zeit wachsen lässt, wird er – wie Micky Maus in »Fantasia« – zum Zauberlehrling, der die Kontrolle verliert. In seiner Besessenheit nimmt er Züge eines mad scientist an.





Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns