Mubi: »Arrebato« (1979)

»Arrebato« (1979). © Mubi

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Mubi präsentiert eine Halloween-Sleepover-Sammlung, zu der auch ein spanischer Horrorgeheimtipp zählt

Filmschaffende können eine ungesunde Beziehung zu ihrem Medium entwickeln, und sehr gern ist diese Konstellation auch selbst Gegenstand von Filmen. Ein ganz spezieller Vertreter dieser Art von Metakino ist »Arrebato« von Iván Zulueta. Darin erhält der frustrierte B-Movie-Regisseur José (Eusebio Poncela) eines Tages ein Paket von seinem Bekannten Pedro (Will More), einem kauzigen Experimentalfilmer. Es enthält eine Audiokassette und eine Filmrolle, die von den letzten Tagen des eigensinnigen jungen Mannes auf dieser Erde zeugen.

Film und Regisseur sind eng verbunden mit der »Movida madrileña«. Die spanische (Gegen-)Kulturbewegung entstand im Zuge der Demokratisierung Spaniens nach der Franco-Diktatur. Gleichermaßen von Punk, New Wave, dem Dadaismus und dem Futurismus beeinflusst, war sie gekennzeichnet durch exaltierte Outfits und schrilles Make-up, einen hedonistischen Lebensstil und eine nihilistisch-nonkonformistische Lebenseinstellung. Der berühmteste Sprössling der Madrider Szene ist bis heute Pedro Almodóvar, der in »Arrebato« eine kleine Synchronrolle übernimmt und einmal gesagt haben soll, dass Zulueta der viel bessere Regisseur sei.

»Arrebato« zeigt Menschen, die offen Drogen nehmen und Sex haben – immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Film erscheint als eine Sucht unter vielen. Doch besonders für Pedro ist das Bewegtbild zur ungesunden Obsession geworden, die ihn immer mehr aussaugt. Abgekoppelt von der restlichen Welt sucht er in seinen Zeitrafferaufnahmen den »perfekten Rhythmus«. Was dies genau bedeutet, bleibt offen. Seine Aufnahmen, die schon stark an den erst drei Jahre später erschienenen Essayfilm »Koyaanisqatsi« erinnern, können genauso als filmische Gegenrealität wie als Versuch, über den Film wieder in Kontakt mit der Realität zu treten, verstanden werden.

Im Laufe des Films entwickelt Pedros Kamera mehr und mehr ein seltsames Eigenleben und droht ihn schon bald selbst zu verschlingen. Folglich sehen wir, wie er blass und ausgemergelt eine Handvoll zerknüllter Geldscheine hervorholt, um seine Filmrollen entwickeln zu lassen. Die Analogie zu einem Drogensüchtigen, der sich neuen Stoff holt, ist mehr als eindeutig.

In seiner rohen und surrealen Energie erinnert »Arrebato« am ehesten an Filme wie Abel Ferraras »The Driller Killer« oder David Lynchs »Eraserhead«. Für das sich gerade erst an die neuen Freiheiten gewöhnende spanische Publikum war all dies zu viel. Trotz guter Kritiken lief der Film nur kurz im Kino, bevor er vorerst verschwand. Zulueta machte in den 1980er Jahren erst einmal einen Entzug – wie die Figuren in seinem Film kämpfte auch er selbst mit einer Heroinsucht – und zog sich aus der Filmbranche zurück. Bekannt wurde er später vor allem als Designer von Postern, unter anderem zu Almodóvars frühen Filmen. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren drehte er zwar noch zwei Filme fürs Fernsehen, die seinen Ruf als ewiges Wunderkind noch einmal zementierten, ansonsten blieb er dem Filmgeschäft bis zu seinem Tod 2009 fern. Am Ende von »Arrebato« bleiben von José und Pedro nur filmische Spuren übrig. Auch Zuluetas filmisches Oeuvre war lange Zeit nur schemenhaft präsent. Umso erfreulicher, dass es nun wiederentdeckt werden kann.

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