Kritik zu Eiserne Wildnis – Heart Of The Beast
Schön gefilmtes Überlebensdrama: Brad Pitt als traumatisierter Ex-Elitesoldat in der Weite Alaskas
Gemächlich tuckert dieser rostige Pick-up über eine einsame Straße irgendwo in Alaska. Plötzlich steht da ein Tier, vielleicht ein Wolf, vielleicht ein Hund. Beim näheren Hinsehen sind ein angeschmuddeltes Halstuch, eine Weste mit Taschen und eine Beinprothese zu erkennen. Die junge Frau (Anna Lambe) steigt aus – und nimmt sich des Tieres an. Dann schon schwebt die Kamera nach oben und erfasst die unberührte Weite Alaskas – und ein kleines Wasserflugzeug mit einem kernigen Piloten und ebenjenem Hund. Dass die beiden am Ende des Films nicht mehr zusammen sind, darüber lässt der Prolog keinen Zweifel.
Der kernige, notwendigerweise wortkarge Pilot ist der ehemalige Special Forces Officer James (Brad Pitt), das Tier der Aufklärungshund Odin. Gemeinsam haben sie schwere Gefechte im Krieg erlebt, wie in Flashbacks zu sehen ist. Nun sind sie im Ruhestand, schwer gezeichnet an Körper und Seele. Bei manch einer nächtlichen Panikattacke ist kaum zu erkennen, ob Tier oder Mensch gerade von dem jeweiligen Albtraum heimgesucht wird. Längst sind die beiden eine Symbiose eingegangen. Wer Beschützer und wer Schützling ist, wer Tröstender und wer Trostsuchender, ist kaum noch auszumachen.
Der amerikanische Drehbuchautor und Regisseur David Ayer hat ein ebenso poetisches wie actiongeladenes Überlebensdrama mit reichlich Pathos geschaffen – im Original mit dem Titel »Heart of the Beast«. Auch wer diese Bestie ist, lässt viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Der gefährlich wirkende, aber beschädigte Hund? Der schroffe, muskelbepackte Ex-Soldat? Die Wildnis? Der Krieg? Wie ein perfekt vorbereiteter idyllischer Wochenendtrip erscheint dieser Ausflug mit dem Flugzeug zunächst. Die Kühlbox ist prall gefüllt mit Eiswürfeln und entsprechend gekühltem Bier, das Zelt in Windeseile aufgebaut, das Feuer angezündet, der Fisch gefangen und gebraten. Dieser Mann weiß, wie man in der Wildnis lebt und überlebt. Am Abend prostet er den Sternen zu: »To the boys.« Es sind wohl seine Kameraden aus dem Krieg, die nicht überlebt haben.
Der Film mäandert so dahin und ist dabei erstaunlich hübsch, fast meditativ anzuschauen. Irgendwann taucht der alte Walter (J. K. Simmons) auf, der James' Bier zu schätzen weiß und zum Plaudern aufgelegt ist. Vor der Morgendämmerung verschwindet er, nicht ohne James ein Buch, eine freundliche Botschaft und die eindringliche Warnung vor dem aufkommenden Sturm zu hinterlassen. Genau in den gerät James mit seinem Flugzeug. Da ist die Hälfte des Films um, und fortan reiht sich ein Abenteuer an das nächste: Absturz in einen See, abgewehrter Bärenangriff, Stürze in reißende Flüsse. Doch all das schweißt James und Odin nur weiter zusammen. Die beiden können sich blind aufeinander verlassen, retten sich gegenseitig.
Trotz all dieser bedrohlichen Situationen kommt der Film erstaunlich beschaulich, vor allem aber wenig überraschend daher. Doch allein für die Landschaftsaufnahmen und das innige, wenn auch leicht verkitschte Tier-Mensch-Verhältnis lohnt es sich, ihn anzusehen.





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