Kritik zu Suicide Squad

© Warner Bros. Pictures

David Ayers zu Beginn noch recht amüsantes Superschurkenabenteuer macht die Bösewichte zu Helden – und lässt sie Bösewichte bekämpfen

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Der Film »Suicide Squad« ruft eines jener legendären Hollywoodprojekte ins Gedächtnis, die noch im Produktionsprozess in der sogenannten »development hell« verschwanden: einen nicht realisierten Film des Gothic-Pop-Auteurs Tim Burton. Der plante in den 90er Jahren, auf seine zwei »Batman«-Filme eine »Superman«-Adaption folgen zu lassen, die Idee scheiterte jedoch an absehbaren kreativen Differenzen: Passte Burtons morbider Stil zum Fledermausmann noch hervorragend, erschien eine ähnliche Inszenierung Clark Kents dem Studio zu riskant. Der düstere »Suicide Squad« verspricht nun, einen ähnlich frischen beziehungsweise modrigen Wind durchs oft plastikhafte Superheldenkino wehen zu lassen – und bedient sich auch visuell großzügig bei Burton.

Zunächst funktioniert das gut: Die sechs Superschurken um den Profikiller Deadshot (Will Smith) und die Joker-Geliebte Harley Quinn (Margot Robbie) fungieren als Anti-Avengers und zeigen glatten Marvel-Konkurrenten wie »Thor« und »Captain America« saufend und fluchend den Mittelfinger. So drastisch wie zuletzt bei »Deadpool« wird es hier zwar nicht, die erste halbe Stunde, in der die »Origin Stories« der Protagonisten nachvollzogen werden – begleitet von einem Non-Stop-Soundtrack aus Megahits von Black Sabbath bis Kanye West – sorgt trotzdem für Spaß.

Die »Squad« wird dann von einer zwielichtigen Regierungsbeamtin (eiskalt: Viola Davis) nach dem Motto »Feuer mit Feuer bekämpfen« zusammengebracht: Als Eingreiftruppe fürs Grobe sollen die unterschiedlich begabten Freaks Terroristen aufhalten, ihr eigenes Überleben zählt dabei nicht viel. Zum Gehorsam werden die unfreiwilligen Rekruten durch Implantate gezwungen, die ihre Träger im Falle eines Fluchtversuchs sofort töten. So weit so unterhaltsam, wenn auch zu jeder Zeit das Kalkül hinter der aufgesetzten Raubeinigkeit zu spüren ist. An der Schwierigkeit, der sich der Film nach diesem Exposé aber stellen muss, scheitert Regisseur und Autor David Ayer. Denn wenn die Schurken zu Helden werden sollen, wie konstruiert man dann ihre Gegner? 

Aufregend wäre es gewesen, den schrägen Vögeln einen aalglatten Saubermann (oder gar eine Sauberfrau) gegenüberzustellen. Stattdessen entwirft Ayer ein dämonisches Geschwisterpaar, bestehend aus zwei Maya-Gottheiten, die mit Hilfe einer Armee von Klonen die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Das führt nicht nur zu kruder Esoterik, die optisch wie ein Fremdkörper im rauen Look des Films wirkt, es ist auch ein extrem billiger Trick: Wodurch sich die übernatürlichen Antagonisten letztlich von den kaltschnäuzigen Antihelden unterscheiden, ist ihre vage unamerikanische Exotik. Dazu schleicht sich ein unappetitlicher Machomilitarismus in die Inszenierung ein, der die Verbindung zum informellen Vorbild Tim Burton endgültig kappt: In dessen »Batman«-Filmen wurde trotz aller Action immer auch die für DC typische linkische Gebrochenheit der Helden wie der Schurken betont. Solche Charakterzeichnungen bleiben bei Ayer bloße oberflächliche Behauptung und gehen schließlich vollständig im digitalen Dauerfeuer unter.

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