Kritik zu Bernd – Operation Germanenkind

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2025
Original-Titel: 
Bernd – Operation Germanenkind
Filmstart in Deutschland: 
10.09.2026
L: 
97 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Mit Verve und viel Kunstblut treibt die Verfilmung des Theaterstücks »Mongoflipper« Klischees über Schauspieler mit Behinderung ins Absurde.

Bewertung: 3
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Die Mauern sind im Zeitalter des Kulturkampfes dicker und höher geworden. Nicht wenige sitzen in ihren »Bubbles«, zeigen mit den Fingern auf die auf der anderen Seite, werfen mit verbalen Handgranaten und feiern die (oft vermeintliche) eigene moralische Überlegenheit. Mit seinem Film »Bernd – Operation Germanenkind« setzt Regisseur Cornelius Schwalm ziemlich genau dort den Hebel, nein eher: die Kettensäge und den Pressluftbohrer an. Bis die Mauern bröseln.

Der Held der Geschichte ist jedenfalls einer, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Bernd, anarchisch gespielt von Verena Unbehaun mit Kajal-Bart, Donald-Trump-Gedächtnis-Cap und klobiger Brille, hat, das erzählt er gleich zu Beginn, seine eigene Abtreibung überlebt. Er arbeitet als Schauspieler mit Betreuungsbedarf, wobei die Behinderung, die Schwalms Drehbuch dem Helden andichtet, wie sehr vieles in seinem Film, metaphorisch gelesen werden darf.

Dieser Bernd arbeitet mit einem linken, eher woken Berliner Theaterkollektiv unter der Regie von Georg (Matthias Rheinheimer) an einem Stück über eine Wunderwaffe der Nazis. Für die Realisierung reist die Gruppe in einem rosa Reisebus nach Peenemünde, denn Premiere soll das Stück in der ehemaligen Heeresversuchsanstalt der Nazis feiern. Dort, wo heute ein Museum steht, sollte einst Hitlers V2, die Vergeltungswaffe 2, entstehen.

Der Ort und auch ein alter NS-Propagandafilm, der zur Vorbereitung geschaut wird, machen etwas mit Bernd, das den vom Theaterteam vereinbarten »Code of Conduct« arg strapaziert: Bernd ist fasziniert vom NS-Gehabe und dem Dritten Reich. Es dauert nicht lange, da schmeißt er mit sexistischen und rassistischen Tiraden um sich. »Wo sind eigentlich die Gedenkstätten für unsere Leute«, meint er, als es um die Holocaustopfer geht. Wobei »unsere Leute« bei dem Haufen im Wald lebender »spezieller« Menschen, den Indigo, denen Bernd näherkommt, auch mehr als doppelbödig gemeint ist. Sein bester Buddy wird ein Schwarzer Mann in Wehrmachtsuniform mit Pickelhaube, später palavert Bernd selbst in SS-Uniform mit Megafon auf einem Rummelplatz herum.

Schwalm verfilmt das Theaterstück »Mongoflipper«, das den verlogenen Umgang mit behinderten Darstellern und gesellschaftliche Klischees thematisiert, als anarchischen Metafilm. In »Bernd – Operation Germanenkind« durchdringen sich die geplante Theaterinszenierung und die Ereignisse um die Crew, die bald ihre herausposaunte Toleranz vergisst und Bernd verprügelt. »Es geht mir besser. Es geht mir richtig gut«, sagt Alexander (Michael Benthin), die Diva, nachdem er Bernd vermöbelt hat.

In seiner politsatirischen Verspultheit weckt Schwalms Film Erinnerungen an einen Christoph Schlingensief. Das macht zuweilen Spaß und ist zugleich mit seiner kalkulierten Provokation auch überladen bis nervig. Aber klar: Kunst muss dahin gehen, wo es wehtut. Und das tut Bernd buchstäblich und konsequent mit Strömen von Kunstblut. Gesellschaftliche Spiegel überall, die Bubbles und die (Pseudo-)Moral kriegen ihr Fett weg. Und man merkt: Das Kino braucht mehr Anarchie.

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