Kritik zu Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit

© Universal Pictures

Steven Spielberg kehrt zu seinen Science-Fiction-Wurzeln zurück und erzählt von einer Welt, in der Aliens längst unter uns weilen und eine zwielichtige Organisation versucht, ihre Existenz geheim zu halten.

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Es ist in gewisser Weise nur folgerichtig, dass Steven Spielberg nach seiner filmischen Autobiografie »Die Fabelmans« zu jenem Genre zurückkehrt, welches man mit seinem Namen wohl am meisten verbindet: Science-Fiction. Genauer gesagt greift Spielbergs neuer Film »Disclosure Day« Motive und Fragen auf, die ihn bereits in seinen Frühwerken »Unheimliche Begegnung der dritten Art« und »E.T.« faszinierten: der Kontakt mit wohlmeinenden Außerirdischen und was dies für die Menschen bedeuten und – viel wichtiger bei Spielberg – in ihnen auslösen könnte.

Im Mittelpunkt, auch das eine Art Leitmotiv, stehen Zivilisten, die sich den Wundern extraterrestrischer Existenzen mit einer Unbefangenheit hingeben, die Regierungs- und Wirtschaftsvertretern bei Spielberg stets fremd sind. »Mitgefühl versus Ausbeutung« ist dabei immer wieder ein Thema, und dieser Gegensatz bildet in »Disclosure Day« den Auslöser der Geschichte, bei der ein Cybersecurity-Spezialist namens Daniel (heillos unterfordert: Josh O’Connor) zum Whistleblower wird, nachdem er gesehen hat, mit welch kaltblütiger Grausamkeit in den Laboren eines regierungsnahen Konzerns unschuldige Aliens malträtiert werden. Gemeinsam mit seiner Freundin Jane (Eve Hewson) und der Wettermoderatorin Margaret (großartig: Emily Blunt) will er die Welt über die seit Jahrzehnten geheimgehaltene Existenz der Außerirdischen in Kenntnis setzen. Diese Enthüllung wiederum versucht der Konzern mit allen Mitteln zu verhindern.

Unglücklicherweise macht Spielberg dieses Katz-und-Maus-Spiel zum roten Faden der Erzählung. Der Zauber seiner früheren Alien-Erzählungen weicht über zwei Stunden hinweg einer gleichermaßen atemlosen wie ermüdenden Verfolgungsjagd. Zahllose Datenträger mit filmischen Beweisen sowie ein kleines Alien-Artefakt werden dabei zum MacGuffin, hinter dem alle her sind. Die Möglichkeiten dieses außerirdischen Artefakts reichen von Gedankenkontrolle bis zur Unsichtbarmachung ganzer Menschengruppen, was bei Verfolgung und Flucht immer wieder hilfreich ist. Welchem Zweck dieses kleine Teil, das alles kann, ursprünglich diente, erfährt man nicht. Unbeantwortet bleibt auch, weshalb Margaret seit einem Alien-Kontakt zahllose Sprachen spricht, für bedrohliche Personen wie ein geliebter Mensch erscheint und praktischerweise Gedanken lesen kann: Das ist alles einfach so, weil es der Spannung dient und die Dramaturgie aus mancher Sackgasse führt.

Auch sonst reißt das überfrachtete Drehbuch diverse Themen an, ohne sie sinnstiftend auszubauen, seien es Verweise auf die Angst vor dem Fremden, (christliche) Religion oder Weltfrieden, den die Aliens – warum auch immer – auslösen könnten. Denn dass Außerirdische grundsätzlich »höhere Wesen« sind, wird gleich zu Beginn behauptet. Nachfühlbar gemacht wird es hingegen nie – was auch damit zusammenhängt, dass die Aliens selbst gar nicht auftauchen und man sie quasi selbst zu einer Art MacGuffin reduziert.

Tatsächlich geht es in Disclosure Day vor allem um das Reden über ihre Existenz: Immer wieder gibt es langatmige Erklärdialoge, als wäre man in einem Christopher-Nolan-Film. Passend dazu weicht Spielbergs geniales Talent als visueller Erzähler einer weitgehend funktionalen Ästhetik: Wo er sonst ikonische Einstellungen schuf, bleibt diesmal kein einziges Bild in Erinnerung. Anstelle des Staunens und der Faszinationskraft, die Spielbergs frühere Filme angesichts außerirdischer Lebensformen entwickelten, kommt er hier mit pseudorealistischen Verweisen auf Kornkreise und den von Verschwörungstheorien umrankten Roswell-Zwischenfall. Das erinnert in seiner pathetischen Ernsthaftigkeit eher an »Akte X« als an »E.T.«. 
Es ist schon ironisch: Steven Spielberg war immer ein Magier der Massen, der es in seinen Science-Fiction-Filmen verstand, über einen kindlichen sense of wonder existenzielle Tiefe zu erreichen. Diesmal spürt man seinen Willen, einen »erwachsenen« Science-Fiction-Film zu drehen – und das Ergebnis ist einfach Kinderkram.

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