Schauspieler mit Charisma – epd film Newsletter 05.06.2026

Schauspieler mit Charisma

Stephen Graham war lange einer dieser Nebendarsteller, die überall mitspielen, die man sofort wiedererkennt – nur der Name fällt einem partout nicht ein. Egal ob Gangster, Neonazi oder Psychopath, seinen Figuren hat er stets ein ganz eigenes Charisma verliehen. In den letzten Jahren haben sich die Rollen von Graham noch einmal gewandelt und mit »Adolescence« prägte er sich im vergangenen Jahr auch als Drehbuchautor ein. Maxi Braun beleuchtet den Karriereweg von Stephen Graham in der aktuellen »Nahaufnahme«.

In »Good Boy« zeigt sich Graham nun auch noch einmal ganz neu: mit schlecht sitzendem Toupet, altmodischer Brille und überhaupt irgendwie seltsam und beunruhigend. Der Film von Jan Komasa (»Corpus Christi«, »The Change«) macht einem die Rezeption aber ohnehin nicht ganz leicht.

Einige filmhistorische Tipps gibt Tim Abele in unserer Rubrik »Kurze Wege zur Filmgeschichte«. Dieses Mal zum japanischen Schauspieler Tatsuya Nakadai, dem das Festival Nippon Connection die diesjährige Retro widmet.

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Als Nebendarsteller hat Stephen Graham Gangster, Neonazis und Psychopathen gespielt, die im Gedächtnis blieben.

Filmgeschichte: Tatsuya Nakadai

In über 60 Jahren hat er Fürsten und Outlaws, Krieger und Liebhaber gespielt, 2025 ist er gestorben. Tim Abele empfiehlt die Retro, die ihm das Japan-Filmfestival Nippon Connection widmet.
Filme der Woche: 

Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes

Nachdem Jan Komasa im letzten Jahr mit „The Change“ versuchte, ein amerikanischer Regisseur zu werden, stellt er sich nun erheblich überzeugender als ein englischer vor. In seinem Kammerspiel entführt ein sittenstrenger Familienvater einen jungen, zügellosen Rowdy mit der Absicht, ihn umzuerziehen. Die Satire über bizarre Wahlverwandtschaften ist fesselnd besetzt, ziemlich nasty und steckt voller verstörender Wendungen.

Ich verstehe Ihren Unmut

Kilian Armando Friedrich verbindet dokumentarische Unmittelbarkeit mit präzisem sozialem Blick. Sein Spielfilmdebüt zeigt, was sonst unsichtbar bleiben soll: die Erschöpfung, Würdelosigkeit und stille Gewalt einer Arbeitswelt, die nur funktioniert, solange Menschen sich selbst aufreiben. Atemlos, beklemmend, mit einer großartigen Hauptdarstellerin.

The New West

Der Ansatz des anderen Blicks auf Genderverhältnisse geht auf: Im „neuen Westen“ müssen Frauen wie das Patchworkfamilien-Oberhaupt, Pferdertrainerin, Rodeoreiterin und Witwe Tabatha nicht mehr die Liebe zu einem Mann als alles (er)lösenden Ausweg entdecken. Stattdessen wird sämtlichen Held:innen zugestanden, die eigene Verletzlichkeit und Stärke zu finden und zu nutzen.

Sommer auf Asphalt

Sie ist ungewollt schwanger und er todkrank: Simon Ostermann erzählt davon, wie Tochter und Vater wieder zueinander finden - trotz aller TV-Konvention mit großer Leichtigkeit und Charme.

Ein Sommer in Paris

Beim Kurztrip einer jungen Frau zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris geht zwar viel schief, doch die Stimmung bleibt gut: ein heiter melancholischer Debütfilm in der Tradition von Eric Rohmer mit einer überzeugenden Hauptdarstellerin.

Dao

Eine gespielt-echte Familie erlebt in Frankreich und Guinea-Bissau Zeremonien und bleibt doch ganz sie selbst.