Apple TV: »Star City«

»Star City« (Serie, 2026). © Apple TV

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Die Alternate-History-Serie zeigt das düstere Leben sowjetischer Ingenieure und Kosmonauten, die in den 1960er Jahren den Wettlauf zum Mond gewannen

Der Wettlauf zum Mond war ein prestigeträchtiges Kräftemessen der politischen Systeme. Wer würde die Oberhand gewinnen: der Sowjetkommunismus oder der dekadente Kapitalismus? Die Alternate-History-Dramaserie »For All Mankind« spielt die Möglichkeit durch, dass die Sowjets Ende der 1960er die Nase vorn hatten. Aufgrund des Erfolgs dieser Produktion, deren siebte Staffel für 2027 angekündigt ist, schufen Ronald D. Moore, Ben Nedivi und Matt Wolpert, die gemeinsam verantwortlich zeichneten, eine Spin-off-Serie für Apple TV. »Star City« spielt im selben Alternate-History-Universum – die Handlung ist aber hinter dem Eisernen Vorhang angesiedelt.

Zwar knüpft »Star City« thematisch an »For All Mankind« an, es tauchen aber keine Figuren der Originalserie auf. Gezeigt wird, wie es sich anfühlt, im Sowjetkommunismus leben zu müssen. Mitten in der Nacht wird die Frau eines Kosmonauten von der wortkargen KGB-Offizierin Lyudmilla (Anna Maxwell Martin) aus dem Schlaf gerissen. Anziehen, mitkommen! Angst und Verunsicherung total. Hat ihr Mann einen Fehler gemacht? Drohen ihr nun Verhör und Folter? Während sie unter Tränen nach Gründen fragt, bringt man sie in ein Kontrollzentrum, wo sie auf einem Großbildschirm eine Live-Übertragung sieht: Ihr Mann ist gerade auf dem Mond gelandet! Statt Neil Armstrongs kleinem Schritt für einen Menschen und dem großen Schritt für die Menschheit deklamiert er Propaganda über Marx und Lenin. Lyudmilla liest mit, ob der Mann im Mond sich an den vorgeschriebenen Wortlaut hält.

Nach diesem furiosen Beginn muss die Serie erst einmal durchatmen, um das für das horizontale Erzählen erforderliche Ensemble einzuführen. Neben dem Chefingenieur (Rhys Ifans) geht es um Anastasia (Alice Englert), die als erste Frau auf dem Mond auch die »moralische Überlegenheit« des Kommunismus zum Ausdruck bringen soll. Im Gegensatz zu dieser Propaganda erweist sich der Alltag hinter dem Eisernen Vorhang als gigantisches Gefängnis. Im abgeschirmten Weltraumbahnhof Star City werden die Kosmonauten rund um die Uhr überwacht. Die durchkomponierte visuelle Gestaltung entspricht einer Mischung aus Orwells »1984« und der Abhörsituation in »Das Leben der Anderen«.

Damit arbeitet die Serie sich an einem Grundwiderspruch ab: So sind die Sowjets in dieser Alternate-History-Vision den Amerikanern zwar technologisch voraus. Doch die Früchte dieses Fortschritts kommen nicht bei den Menschen an. Kosmonauten und Ingenieure, die Elite der UdSSR, leben in einer rückständig anmutenden Welt ohne jeden Glanz. Alle verfügbaren Ressourcen fließen in die Überwachung. Als sich herausstellt, dass eine Kosmonautin irrtümlich der Spionage bezichtigt wurde, wird sie trotzdem erschossen: Die Partei hat immer recht. In dieser Welt haben selbst die erstaunlich beiläufig gezeigten Weltraumflüge nichts mehr von jenem euphorischen Aufbruch, den einst die Mondlandung vermittelte. Die Serie träumt den düsteren Alptraum einer trostlosen, monochromen Welt, die – obwohl sie in Farbe gedreht wurde – gefühlt so grau ist wie die Mondoberfläche.

OV-Trailer

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