Netflix: »Big Mistakes«

»Big Mistakes« (Serie, 2026). © Spencer Pazer/Netflix

© Spencer Pazer/Netflix

Die neue Serie von Dan Levy (»Schitt's Creek«) verbindet familiäre Komplikationen mit Crime- und Thrillerelementen. Auslöser ist ein dilettantischer Diebstahl

Welchen Weg schlägt man ein, nachdem man einigermaßen unverhofft einen der größten und erstaunlichsten Comedy-Serienerfolge der letzten Dekade landen konnte? Vor dieser Frage stand Dan Levy nach sechs Staffeln »Schitt's Creek« (sowie diversen Emmys) – und entschied sich dafür, mit einer selbst erdachten Koch-Competition (»The Big Brunch«) und der ersten eigenen Spielfilmregie (»Good Grief«) erst einmal möglichst Neues und Anderes auszuprobieren. Nun zeichnet der Kanadier mit »Big Mistakes« abermals für eine Serie verantwortlich. Doch zu viele Ähnlichkeiten mit »Schitt's Creek« sollte man auch hier nicht erwarten.

Immerhin: Auch »Big Mistakes« ist letztlich eine Familienserie, wobei der Fokus auf den beiden ältesten Geschwistern liegt. Nicky (Dan Levy) ist protestantischer Pastor in einer Kleinstadt in New Jersey, weswegen er seine Beziehung zu Bauunternehmer Tareq (Jacob Gutierrez) nicht nur vor der Gemeinde, sondern sogar vor der eigenen Familie geheim hält. Derweil ist seine Schwester Morgan (Taylor Ortega) nach gescheiterten Versuchen als Schauspielerin in New York inzwischen wieder mit ihrem früheren Highschool-Boyfriend Max (Jack Innanen) liiert und arbeitet als Grundschullehrerin.

Eine latente Anspannung und Unzufriedenheit scheint Bruder und Schwester zu verbinden, nicht zuletzt im Verhältnis zu ihrer geschiedenen Mutter Linda (Laurie Metcalf), die den familieneigenen Baumarkt betreibt und sich zur Bürgermeisterin wählen lassen will, sowie zur streberhaft-unemotionalen jüngeren Schwester Natalie (Abby Quinn). Als Morgan dann allerdings in einem Ramschladen arglos eine Kette mitgehen lässt, die als Geschenk für ihre sterbende Großmutter gedacht ist, wird das Leben der Geschwister auf den Kopf gestellt. Denn statt um Modeschmuck handelt es sich um kostbares Diebesgut – und schon haben Nicky und Morgan Gangster am Hals, die sie so schnell nicht wieder loswerden.

Unbescholtene Bürger*innen, die – mal mehr, mal weniger freiwillig – in kriminelle Aktivitäten verwickelt werden, sind als Serienstoff nichts Neues, doch in »Big Mistakes« geht es weder so düster zu wie in »Ozark«, noch ist cozy crime à la »Only Murders in the Building« angesagt. Stattdessen setzen Levy und seine Kreativpartnerin Rachel Sennott ganz im Gegensatz zum zwischen Albernheit und Feelgood schwankenden Tonfall von »Schitt's Creek« auf enervierenden Cringe-Humor. Schon der Score macht von Beginn an deutlich: Hier wird's anstrengend.

Während die Handlung die Glaubwürdigkeit mitunter arg strapaziert und Emotionalität eher außen vor bleibt, funktioniert der abgründige Humor in den acht Episoden umso besser, dank des exzellenten Timings des Ensembles (vor allem Metcalf ist gewohnt exzellent und Newcomerin Ortega eine echte Entdeckung), pointierter Dialoge und einer guten Portion Absurdität. Als großer Fehler geht Levys neue Kreation also keinesfalls durch, doch das Zeug zum nächsten Klassiker hat sie nicht.

OV-Trailer

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