Kritik zu Hoppers

© Disney/Pixar

Der neue Animationsfilm des Pixar Studios liefert ein Plädoyer für die Achtung der Natur und gefällt durch eine Protagonistin mit Ecken und Kanten

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Als Schülerin befreit sie eine Schildkröte aus dem Terrarium der Schule (nicht ohne auf dem Weg nach draußen noch weitere Tiere in ihrem Rucksack zu verstauen), Jahre später, mit 19, widmet sich Mabel statt ihrem Studium lieber weiter dem Lebensraum der Tiere. Gerade versucht sie, die Sprengung eines Biberdamms zu verhindern, muss dabei aber erfahren, dass das legal ist, weil das Gebiet mittlerweile von allen Tieren verlassen wurde. Bei ihren Nachforschungen stößt sie sowohl auf die unsauberen Tricks von Bürgermeister Jerry, der seine anstehende Wiederwahl mit der Einweihung der neuen Schnellstraße von Beaverton zementieren will, als auch auf ein Experiment an der Universität, mit dem die Professorin Fairfax und ihre Mitarbeiter die Sprache der Tiere verstehen wollen. Als Mabel, ungeduldig wie immer, sich dieses Experiments bemächtigt, bekommt sie eine handfeste Einweisung in deren Lebenswelt.

Einmal mehr geht es um die Rettung der Natur, die in den letzten Jahren verstärkt in Animationsfilmen beschworen wird, 2024 in Dreamworks' »Der wilde Roboter«, erst letzten Monat in »Der letzte Walsänger«, der seine ökologische Botschaft mit esoterischen Anklängen versah. Von einem Film des Animationsstudios Pixar wird man allerdings eine etwas komplexere Geschichte erwarten dürfen. Die liefert »Hoppers« durchaus, das beginnt schon damit, dass Mabel die »Teichregeln« begreifen muss – die beinhalten nicht nur gegenseitige Freundlichkeit und den Zusammenhalt der Arten, sondern auch das Akzeptieren der Nahrungskette, derzufolge alle Tiere das Recht haben, kleinere Tiere zu fressen – ein Thema, das Pixars Muttergesellschaft Disney schon in den beiden »Zoomania«-Filmen ansprach und das hier in einer Abspannszene noch einmal unterstrichen wird. Eltern von jüngeren Zuschauern dürfte das durchaus in Erklärungsnot bringen; auch erleben nicht alle tierischen Mitwirkenden das Ende des Films.

Anregung zur Debatte gibt »Hoppers«, wenn er im letzten Drittel von seinem zentralen Antagonismus – zwischen der die Natur liebenden und bewahrenden Mabel einerseits und Bürgermeister Jerry als rücksichtslosem Vertreter des sogenannten Fortschritts andererseits – abweicht und eine auf den ersten Blick überraschende Wendung nimmt, die man als einen Appell lesen kann, als Gemeinschaft trotz gegensätzlicher Auffassungen zusammenzustehen. Dieses versöhnliche Moment ist den meisten Animationsfilmen zu eigen, als seltenes Gegenbeispiel wäre hier Disneys »Wish« zu nennen, der 2023 zum hundertsten Jubiläum des Studios einen charmanten Schurken präsentierte, dem diese Erlösung versagt blieb.

Die Versöhnung ist allerdings schon am Anfang des Films angelegt, wenn Mabel von ihrer Großmutter den Einklang mit der Natur schätzen lernt und diese ihr erklärt, dass Wut ein schlechter Leitfaden ist. Das kann man leicht vergessen, wenn vor dem versöhnlerischen Ende das Tempo, von Anfang an geprägt durch die Figur Mabels, deren Mission durchaus Züge von Besessenheit besitzt, noch einmal angezogen wird, bis schließlich einmal mehr eine Parallelmontage mehrerer Handlungsstränge für Eindringlichkeit und Atemlosigkeit sorgt. »Hoppers« wird dabei zu einer satirisch-grotesken Erzählung über Egomanie – nicht nur die von Bürgermeister Jerry. Dem wird durch ein verzerrtes Abbild seiner selbst der Spiegel vorgehalten, er wird am Ende (weitgehend) bekehrt, was bei derjenigen Figur, die sich als die neue Bedrohung herausstellt, nicht der Fall ist. Das ist jemand, der verkündet, alle anderen »auslöschen« zu wollen, zuerst Jerry, dann die ganze Menschheit, schließlich alle anderen Tiergattungen – und sich selber zum König krönt, damit seinen Anspruch auf eine absolutistische Alleinherrschaft unterstreichend. Dafür muss der erwachsene Zuschauer nicht groß nach Parallelen in der jüngsten Geschichte suchen, so eklatant sind sie. Auch mit dem Waldbrand, der am Ende die Stadt Beaverton bedroht, dürfte zumindest für US-Zuschauer ein Stück selbst erfahrener Wirklichkeit in den Film gelangt sein. Einmal mehr ist erstaunlich, wie Animationsfilme, bei einer Herstellungszeit von fünf Jahren, im Moment ihrer Erstaufführung ganz aktuell sein können. »Hoppers« balanciert dabei Alltagsrealität und fantastische Elemente aus, darin liegt seine Qualität.

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