Berlinale: Preise in der Sektion Generation
Ein Zeitreisefilm eröffnet das Kplus Programm der Sektion Generation. Den Dokumentarfilm »The Fabulous Time Machine« von Eliza Capai als Auftakt zur diesjährigen Festivalauswahl zu platzieren, war eine mutige Entscheidung. Der Film erzählt von Mädchen in einer ärmlichen brasilianischen Gegend, die sich gegen Missstände und männliche Bevormundung wehren. Die Protagonistinnen haben einen wesentlichen Anteil an der Planung und Umsetzung der Dokumentation gehabt, vielleicht ist sie deshalb so frisch und kreativ geworden, auch wenn es um ernste Themen geht, die sich die Mädchen in unterschiedlicher Weise für ihre Zukunft ausmalen. Auch ihre Mütter kommen zu Wort, die manchmal mit Staunen auf ihre quirligen Töchter blicken. Eine eindrucksvolle Beobachtung, in der ausschließlich die weibliche Sicht der Historie zu Wort kommt. Der Film ist einer von vier brasilianischen Beiträgen, die die Sektion Generation dominierten. Warum nicht einer der beiden gerade fertiggestellten deutschen Kinderfilme »Koschka« von Bernd Sahling oder »Pferd am Stiel« von Sonja Kröner ausgewählt wurde, bleibt das Geheimnis der Auswahlkommission. Beide Kinderfilme werden sicher auf anderen Festivals Beachtung finden. Stattdessen lief als deutscher Beitrag bei 14plus der wenig überzeugende »The Lights, They Fall« von Sasa Vajda.
Herausragend im Kplus Programm war »Atlas of the Universe« von Paul Negoescu über einen Jungen, der durch das ländliche Rumänien streift, um einen fehlenden linken Schuh zu finden. Eine epische Erzählung über Begegnungen und Erlebnisse auf dem Weg zu sich selbst. Der Film erhielt die lobende Erwähnung der Internationalen Jury. Den Gläsernen Bären für den besten Kplus-Film bekam »Gugu's World« von Allan Deberton, der in einem brasilianischen Dorf die Beziehung eines Jungen zu seiner lebenslustigen Oma beobachtet, bei der er aufwächst. Als sie dement wird und er zu seinem Vater ziehen muss, stürzt ihn das in eine große Verzweiflung, aus der er aber einen Ausweg zu finden glaubt.
Den Großen Preis der Internationalen Jury bei 14plus und den Preis der Jugendjury hat »Chicas Tristes« von Fernanda Tovar gewonnen, der von einer Beste-Freundinnen-Beziehung erzählt, die durch ein dramatisches Ereignis auf die Probe gestellt wird, an dem beide Mädchen zu verzweifeln drohen. Das Setting in einem Schwimmverein bietet aufregende (Unter-)Wasserbilder und da die beiden gemeinsam zu einem internationalen Wettbewerb mitreisen sollen, wird die Frage nach Versöhnung umso dringender gestellt. Psychologisch sehr glaubwürdig und von tollen Schauspielerinnen dargestellt.
Beeindruckend ist die Geschichte in »Ghost School« von Seemab Gul über die Grundschülerin Rabia in Pakistan, die nicht einsehen will, dass plötzlich ihre Schule geschlossen wird. Sie konfrontiert in ihrem Ort einen Verantwortlichen nach dem anderen, um herauszufinden, wer oder was an der Schulschließung schuld ist. Ein sehr aktuelles Problem, das die Benachteiligung von Mädchen in Pakistan zum Thema macht. Die Lösung ist ungewöhnlich und beweist, dass man mit Einfallsreichtum und Chuzpe weiterkommt, als man denkt. So wie viele Helden und Heldinnen in den diesjährigen Filmen von Berlinale Generation geht Rabia unbeirrt ihren Weg und behelligt die Erwachsenen mit ihren unbequemen Erkundigungen. Das macht Mut und zeigt dem Publikum kreative Wege des Widerstands auf, die im besten Fall ein Vorbild sein können.



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