HBO Max: »All Her Fault«

»All Her Fault« (Serie, 2025). © Sarah Enticknap/Peacock

© Sarah Enticknap/Peacock

Der in Deutschland startende Streamingdienst HBO Max eröffnet sein Programm mit dieser Thrillerserie um die Eltern eines verschwundenen Kinds

Nach der Arbeit noch schnell das Kind abholen, das nachmittags zum Spielen verabredet war. Nur um dann festzustellen, dass unter der angegebenen Adresse niemand etwas weiß von spielenden Kindern. Dieses Alptraumszenario für Eltern ist ergiebiges Streamingfutter. Zumindest ist »All Her Fault« nach »The Stolen Girl« bereits die zweite Serie innerhalb kurzer Zeit mit dieser Ausgangssituation. In »All Her Fault« fällt Marissa Irvine (Sarah Snook) aus allen Wolken, als sie ihren fünfjährigen Sohn Milo von einer ersten Verabredung mit einem neuen Spielkameraden abholen will: Die Tür öffnet eine Fremde, die von den Kindern noch nie gehört hat. Auch Ehemann Peter (Jake Lacy) weiß nichts über Milos Verbleib, und schnell stellt sich heraus, dass die Textnachricht mit den Infos zum Play Date der Jungs gar nicht von Marissas neuer Bekannten Jenny (Dakota Fanning), sondern von einer fremden Nummer kam. Eine verzweifelte Suche nach Milo beginnt, begleitet von der Frage, ob es um eine Lösegeldforderung an die wohlhabenden Irvines oder um etwas ganz anderes geht. Von den Nannys bis hin zu Marissas Geschäftspartner und Peters Geschwistern ist niemand vor Verdächtigungen gefeit, und Detective Alcaras (Michael Peña) realisiert bald, dass auch im Familienalltag und Berufsleben von Marissa und Jenny längst nicht alles so perfekt und mühelos abläuft, wie es die makellose Fassade nach außen suggeriert.

»All Her Fault«, verantwortet von Megan Gallagher und basierend auf einem Bestseller der irischen Autorin Andrea Mara, kommt als in sich abgeschlossene Miniserie daher, doch man wünscht sich einmal mehr, dem Wörtchen »Mini« würde größere Gewichtung beigemessen. Denn auch diese Serie ist eine, der eine Verdichtung auf die im britischen Fernsehen üblichen sechs Episoden (statt hier acht) mit Blick auf die Spannung gutgetan hätte.

Apropos Spannung: In der Melange aus Entführungsthriller und Elternschaftsdrama hat »All Her Fault« einen starken Drall zu Letzterem. Der Krimiplot gerät immer wieder ins Hintertreffen, während der Versuch, ein möglichst komplexes Bild von den Schwierigkeiten des modernen Mutter- und Vater-Seins (auch jenseits der in Villen wohnenden Oberschicht) zu vermitteln, fast schon in Überfrachtung ausartet. Bis zum allzu konstruierten Finale ist das Ganze immerhin durchaus klug beobachtet und gerade in den Dialogen glaubwürdig geschrieben. Vor allem aber in der Wertigkeit der Produktion (gedreht wurde trotz Chicago als Setting in Australien) und der Leistung des Ensembles liegt die Serie wohltuend Klassen über dem, was etwa Netflix immer zum Jahreswechsel aus dem Harlan-Coben-Universum auffährt.

Sarah Snook, frisch für den Golden Globe und den Critics Choice Award nominiert, ist wie schon in »Succession« erstklassig, und nicht zuletzt in ihren Szenen mit Dakota Fanning bietet »All Her Fault« wirklich starke Momente.

OV-Trailer

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