Sky: »Succession«

»Succession« (Staffel 3, 2021). © Home Box Office

© Home Box Office

Reich und noch reicher

»Er kauft seine Möbel selbst«, so beschreibt Lady Caroline (Harriet Walter) kichernd ihren Bräutigam Peter (Pip Torrens). Wer das für ein Kompliment hält, liegt völlig falsch. Es ist eine Rangzuordnung, und nicht unbedingt eine freundliche. Caroline will sagen, dass Peter nicht aus dem Adel stammt (in dem man seine Möbel erbt). Genau deshalb macht sich Sohn Roman (Kieran Culkin) an dieser Stelle, wir sind in Folge 8 von Staffel 3, auch Sorgen darum, ob seine Mutter einen Ehevertrag aufgesetzt hat. Wie berechtigt diese Sorge in ganz anderer Hinsicht sein wird, zeigt sich im grandiosen Finale der Staffel, das bei Ausstrahlung in den USA fast schon mit einem »Game of Thrones«-ähnlichen Level an Intensität aufgenommen wurde.

Der Spruch mit den Möbeln ist im Übrigen keine freie Erfindung des Autorenteams von »Succession«. Der britische Tory-Abgeordnete Alan Clark putzte damit einmal seinen Parteikollegen Michael Heseltine wirkungsvoll herunter. Wie beiläufig das Team um Jesse Armstrong das Zitat in der Serie über eine Murdoch-ähnliche Medienmogul-Familie einsetzt, charakterisiert das Besondere ihres Vorgehens: Einerseits ist hier alles erfunden, die Roys mit ihrem Patriarchen Logan (Brian Cox) an der Spitze, die von ihm gegründete Corporation Waystar Royco, seine vier Kinder aus zwei Ehen; andererseits sind fast alle Einzelteile dieser Saga um eine reiche Familie und ihr Firmenerbe direkt den Wirtschaftsnews der Gegenwart entnommen.

Das betrifft eben nicht nur die Figuren, die erkennbar den Murdochs, Maxwells und Redstones dieser Welt nachgebildet sind. Realitätsnähe besitzen vor allem die Businessabläufe: Vom Proxy Fight bei der Aktionärsversammlung bis zu Kauf- und Merger-Verhandlungen lassen sich Vorbilder finden aus den Deals von Fox, Disney, Gawker, Netflix und Viacom. In der zweiten Staffel trafen sich die Roys mit anderen Billionären in einem Bergresort, das große Ähnlichkeit mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat. Und Sohn Roman geriet bei Sondierungsgesprächen im Nahen Osten in eine Geiselnahmesituation, wie sie Saudi-Prinz Mohammed bin Salman mit der eigenen Familie im Ritz-Carlton in Riad veranstaltete. Wie ein Aufsichtsrat funktioniert, wie eine Firma wie Waystar Royco strukturiert ist – jedes dieser Details ist in der Serie auf eine Weise abgesichert, wie man es in einer Fiktion gar nicht erwartet.

Der hohe Realitätsanspruch macht die einzelnen Folgen an manchen Stellen für den ersten Blick fast unverständlich. Oft entdeckt man erst aufs zweite, dritte Schauen die Bedeutung einer Einstellung, die zuerst nur wie ein »establishing shot« mit zwei Privatjets in der Luft erschien. Tatsächlich ringen hier Vater Logan und Sohn Kendall miteinander: Wer als Erstes landet oder abfliegt, wer auf wen auf dem Asphalt warten muss, darin zeigt sich in ihren Sphären, wer die Oberhand hat. Keine andere Serie erzählt mit so viel Witz und schneidender Präzision von den feinen und weniger feinen »Spielchen« des Big Business.

OV-Trailer

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns