Kritik zu Lesbian Space Princess
Queerfeministischer Animationsfilm für Erwachsene: voller schräger Einfälle, absurdem Humor und explizit sexpositiv
Saira ist deprimiert. Die hippe und heiße Kopfgeldjägerin Kiki hat sie nach zwei Wochen auf Wolke sieben abserviert. Sairas Mütter – Königinnen von Clitopolis – sind ihr in ihrem Trennungsschmerz keine Hilfe. Sie wollen lieber Party machen, und Sairas introvertierter und – zugegeben – ziemlich weinerlicher, verzagter Charakter stört ihre Ekstase. Das feierwütige Volk von Clitopolis hat für Saira ebenfalls nur Spott übrig. Ihre Labrys, eine magische Streitaxt, die ihr weibliche Superkräfte verleihen soll, will sich partout nicht manifestieren. In der Gay-Laxie, die sich als buchstäblicher Safe Space in einer Bubble befindet, ist längst nicht alles rosafarben. Erst als Kiki gekidnappt wird und Saira die Einzige ist, die sie mit ihrer Labrys retten kann, wagt sie sich in den »normalen« Weltraum, um ihre Ex zurückzuerobern. Dabei erhält sie Unterstützung von einem »problematischen Raumschiff« (mit der Stimme von Richard Roxburgh) und Ex-Popgroupstar Willow, die sich eigentlich auf einen einsamen Mond zurückgezogen hatte, um ein Soloalbum zu komponieren. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Rettungsmission, die sie unter anderem zu einer fiesen Dragqueen und an den gefährlichsten Ort des Universums führt.
Die animierte Welt, die die australischen Regisseurinnen und Autorinnen Emma Hough Hobbs und Leela Varghese für ihr Langfilmdebüt »Lesbian Space Princess« kreiert haben, ist voller popkultureller Anspielungen und raffinierter Einfälle. Kikis Entführer ist zum Beispiel ein Trio, das sich »Straight White Maliens« nennt: gesichts- und farblose Typen, die ständig jammern, weil sie niemand ernst nimmt und sich weder Frauen noch das queere Universum insgesamt einen Scheiß für sie und ihre heteronormativen Probleme interessieren. Mit der femininen Energie der Labrys wollen sie einen »Chick Magnet« speisen, um Frauen anzuziehen. Mark Bonanno, Zachary Ruane und Broden Kelly, Teil der anarchischen Comedygruppe Aunty Donna, leihen den »Maliens« ihre Stimmen. Wie sie sich als Selbsthilfegruppe-Dreier gegenseitig im Umgang mit Frauen zu coachen versuchen und einander mit dämlichen Ratschlägen überbieten, macht die Bösewichte zu den heimlichen Helden von »Lesbian Space Princess«.
Stilistisch und ästhetisch erinnert das neben Anime-Anleihen an Serien aus dem Kosmos des Fernsehsenders Adult Swim, beispielsweise »Final Space«. Der Humor wirkt stellenweise wie eine dezidiert queere Spielart von »Rick und Morty«, wenngleich er etwas weniger anarchisch ist. All das vor der Folie einer komplett queer gedachten Welt, die Sexualität offen thematisiert und abbildet. Ganz lässig entwirft »Lesbian Space Princess« so eine queerfeministische Utopie. Dazu gehört auch das furiose Finale, das unerwartet und anders als stereotyp heterosexuelle Rom-Coms endet. Am Ende herrscht im Safe Space nicht nonstop gute Laune und Friede, Freude, Eierkuchen. Aber diese Gay-Lexie präsentiert sich deutlich farbenfroher, fantasievoller und freier als der schnöde Rest des uns bisher bekannten Universums.






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