Ein Überangebot an spannenden Filmen – epd film Newsletter 08.05.2025

Ein Überangebot an spannenden Filmen

Zuletzt gab es im Mai ja immer mal wieder die Situation, dass das filmische Angebot der Kinos etwas dünner wurde. Schaut man sich diese Filmwoche an, ist das genaue Gegenteil der Fall. Die Kinostarts quillen geradezu über mit spannenden und teils vollkommen unterschiedlichen Filmen.

Da wäre beispielsweise »Balconettes«, eine schräge Mischung aus Komödie, Horror und Rape-and-Revenge-Film, inszeniert von der französischen Schauspielerin Noémie Merlant (»Porträt einer jungen Frau in Flammen«, »Frieden, Liebe und Death Metal«), die hier auch eine der Hauptrollen spielt und deren Werdegang Maxi Braun für unsere Nahaufnahme nachgezeichnet hat. Oder Burhan Qurbanis wilde Shakespeare-Modernisierung »Kein Tier. So Wild.«, die einen wagemutigen Stilwillen mitbringt, wie er im deutschen Kino selten ist. Burhan Qurbani hat uns übrigens für unsere Rubrik »E-Mail an…« seine Vorlieben und Filmerfahrungen mitgeteilt.

Ein besonderer Start ist natürlich auch »Oslo Stories: Träume«, der bei der diesjährigen Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hat und Teil von Dag Johan Haugeruds »Oslo«-Trilogie ist. Den Drang zu lose zusammenhängenden Trilogien hat es im Arthouse-Kino immer mal wieder gegeben. Gerhard Midding hat deren Geschichte für uns erforscht.

Vollkommen zu Unrecht im Überangebot unterzugehen droht der isländische Film »Wenn das Licht zerbricht«, der auf ungewöhnliche wie sensible und hochemotionale Weise vom Trauerprozess junger Menschen erzählt. »Wenn das Licht zerbricht« ist auch Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

von: 
Noemié Merlant zieht die Blicke auf sich und schleudert sie mit roher Kraft zurück.
Antonioni und Bergman haben es getan, Kieslowski und Link­later. Die Nouvelle Vague war geradezu besessen davon.

E-Mail an... Burhan Qurbani

Burhan Qurbani, Regisseur und Drehbuchautor, 1980 in Erkelenz geboren, studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg. Sein Kurzfilm »Illusion« (2007) und sein Langfilmdebüt »Shahada« (2010) erhielten zahlreiche Preise. 2014 folgte »Wir sind jung. Wir sind stark«. 2020 gewann er mit »Berlin Alexanderplatz« fünf Deutsche Filmpreise. Sein neuer Film »Kein Tier. So Wild.« startet am 8. Mai in den Kinos.
Filme der Woche: 

Balconettes

Die Regierung mag während der Hitzewelle davor warnen, ins Freie zu gehen. Aber der wahre Schrecken lauert hinter den Fassaden. Noémie Merlants zweite Regiearbeit ist ein halluzinierender Formwandler von einem Film, vermischt gewitzt die Genres, bricht rabiat mit Sehkonventionen und feiert, prächtig besetzt, die weibliche Selbstermächtigung. Nur: Wie bringt man einen Geist dazu, die Wahrheit zu gestehen?

Kein Tier. So Wild.

Burhan Qurbanis Adaption von Shakespeares »Richard III.« ist eine wagemutige, hoch stilisierte Mischung aus klassischem und modernem Stoff, Theater und Film. Überbordend an ästhetischen Mitteln und beeindruckend gespielt.

Oslo Stories: Träume

Der Mittelteil der »Oslo Stories«-Trilogie erzählt in radikaler Subjektivität von der Liebe einer 16-Jährigen zu ihrer Lehrerin. Die Aufzeichnungen des Mädchens sind gleichzeitig filmische Erzählform und Stein des Anstoßes. Dass auch große Gefühle in kleinen Alltagen stattfinden müssen, begreift Regisseur Haugerud als Chance, um uns glückende Kommunikation zu zeigen.

Islands

Ein britischer Hotel-Tennislehrer hilft einer Touristin bei der Suche nach ihrem verschwundenen Mann. »Islands« spielt geschickt mit Film-noir-Motiven, aus denen er die subtile Geschichte einer Sinnsuche entwickelt. Das ist manchmal etwas ermüdend, bleibt aber immer atmosphärisch und vor allem großartig gespielt.

Wenn das Licht zerbricht

Trauer ist das Thema, und selten hat es ein Film so durchdacht und subtil, so wohlkomponiert und lyrisch umgesetzt wie der vierte Film des Isländers Rúnar Rúnarsson.