11/2012

In diesem Heft

Filmkritik

Ben Affleck lässt in seinem äußerst unterhaltsamen Thriller über die Rettung von sechs Diplomaten während der Iran-Geiselkrise 1980 die CIA einmal gut aussehen
»Hinter dem Berg« ist eine Parabel auf die türkische Gesellschaft im Gewand eines modernen Westerns, in der eine Gruppe Männer ihre inneren Konflikte auf einen imaginären Feind projiziert
Die Reise einer 15-Jährigen und ihrer Geschwister durch das kaputte Deutschland unmittelbar nach dem Krieg, in mächtigen Bildern und lyrisch-suggestiver Atmosphäre erzählt, aber psychologisch flach: »Lore«
Realistischer Blick auf die krisenhafte Beziehung zweier Männer in New York über einen Zeitraum von fast zehn Jahren. Schonungslos blickt Regisseur Ira Sachs in »Keep the Lights On« auf das Scheitern dieser beiden erfolgreichen Männer
Eine Fabel über moralische Ausweglosigkeiten: In langen Plansequenzen, spröde und ruhig entfaltet sich das Schicksal dreier Männer, die im Nebel des Krieges gefangen sind
Zum 50-jährigen Bond-Jubiläum präsentiert Sam Mendes keinen strahlenden 007, sondern einen Mann in der Krise. »Skyfall« ist ein ungewöhnlicher, komplexer, spannender Bond
Nachlässig inszenierte, mittelmäßig gespielteund gänzlich unlustige Familienkomödie
»Nemesis«, der letzte gemeinsame Film von Susanne Lothar und Ulrich Mühe, erzählt von der Pathologie eines Paares und der Spielkunst seines Ensembles
Ein Ex-KSK-Soldat flüchtet mit der halbwüchsigen Mordzeugin vor Killerkommandos: Til Schweiger drehte mit Tochter Luna einen Actionthriller, der zwar namhafte Nebendarsteller und Sinn für Ästhetik aufweist, aber bald als langatmige und unlogische One-Man-Show die Erwartungen enttäuscht
Markus Imhoofs Dokumentarfilm setzt ganz bewusst auf persönliche Reflektion statt kritischer Erörterung, das gibt dem Film eine zeitlose Stimmigkeit
Eine erfolgreiche Radiomoderatorin (Karin Viard), die zur Adoption freigegeben wurde, sucht ihre leibliche Mutter. Regisseur Pierre Pinaud nimmt die Seelennot seiner Heldin ernst, ringt jedoch um den richtigen Erzählton
Bei der bevorstehenden Hochzeit ihrer Kinder kommen sich ein verwitweter britischer Geschäftsmann und eine dänische Friseuse näher. Klischeehafte romantic comedy, deren Nebenfiguren allesamt karikiert sind
Simon Brights Dokumentarfilm komprimiert den Lebensweg Robert Mugabes vom Helden des Unabhängigkeitskampfs zum rücksichtslosen Diktator, deutet die globale Einflüssen auf Mugabes Politik aber nur an
Graf Dracula betreibt in Transsylvanien ein abgelegenes Hotel, in dem sich Monster aller Arten erholen können. Fantasievoll gestalteter Animationsfilm mit leider dünner Geschichte, teilweise hektischem Tempo und Humor unter der Gürtellinie
Ein Film über den Verfall familialer und sozialer Strukturen und die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich, die längst neue Wertvorstellungen hervorgebracht hat
Ein amerikanischer Soldat entführt den Drahtzieher der Anschläge von 9/11, der ihn mit einer anderen Wahrheit konfrontiert. Das Kammerspiel vermischt so geschickt Fakten und Fiktionen, das es tatsächlich Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse weckt
Lars Jenssen hat mit Studio Braun, mit Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jaques Palminger einen lustigen Film über eine reale Szene der Popmusik gedreht, der wunderbar anfängt, dem dann leider die Luft ausgeht
Zwischen authentischem 90er-Jahre Zeitkolorit und berührendem Coming-of-Age gelingt Stephen Chbosky das kleine Wunder einer so tiefgründigen wie charmanten Verfilmung
Sechs Geschichten, sechs Genres und etwa ein halbes Dutzend Stars, die Rollen, Alter, Hautfarbe und Geschlecht wechseln. Neben den Licht- und Schattenseiten der menschlichen Natur werden auch gleich die erzählerischen Möglichkeiten des Kinos ausgelotet
Nach dem Roman von Daniel Kehlmann: die Biografien der beiden Wissenschaftler Gauß und Humboldt als historischer Bilderbogen, dessen Tableaus zwischen Eindringlichkeit und Klamotte schwanken
Düster-minimalistische Endzeit-Action, die dankenswerterweise nichts mit dem Stallone- Vorgänger aus dem Jahr 1995 zu tun hat
Die eigentlich spannende Liebesgeschichte zwischen der Jüdin Sulamit und dem aus einer Nazifamlie stammenden Friedrich, die sich über dreißig Jahre erstreckt, erinnert leider an die Weichzeichnung hiesiger Fernsehfilme
Das US-Debüt von Stefan Ruzowitzky handelt von einer Gangsterjagd und der Unentrinnbarkeit der Blutsverwandtschaft. Ein solider, altmodischer und gut besetzter Thriller
Marc Wieses Dokumentarfilm über einen in einem nordkoreanischen Straflager aufgewachsenen Mann verlässt sich ganz auf die Kraft von Person und Geschichte und verzichtet auf künstliche Überhöhung
Kim Ki-Duks Mutter-Sohn-Geschichte unterläuft die christliche Symbolik, die sein Titel evoziert, mit drastischen Bildern und liefert ein zutiefst pessimistisches Gesellschaftsporträt
In einer Folge komischer und trauriger Begegnungen brilliert Tom Schilling als Berliner Slacker, umgeben von einem Ensemble großartiger Schauspieler und eingehüllt in schwarz-weiße, jazzgetränkte Melancholie
Der Weg ist wieder mal das Ziel: bei aller Sympathie für die markanten Figuren, den mäandernden Erzählfluss und das skurrile Setting fehlt es dem Film leider an dramatischer Substanz
Niko von Glasow erzählt mit Laien und Schauspielprofis, Behinderten und Nicht-Behinderten eine exemplarische Geschichte von menschlichen Sehnsüchten und Ängsten
Mit einer schier unausschöpfbaren Fülle präziser Detailbeobachtungen schildert Pablo Stoll Ward, wie eine zerrüttete Familie sich wieder annähert

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