Kritik zu Zum Verwechseln ähnlich

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Lucien Jean-Baptiste (»Triff die Elisabeths!«) lotet mit der Geschichte eines schwarzen Paares, das ein weißes Baby adoptiert, einmal mehr gleich mehrere Formen der Fremdenfeindlichkeit aus

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Salimata (Aïssa Maïga) und ihr Mann Paul (Lucien Jean-Baptiste) sind in ihrer Wahlheimat bestens integriert. Mit ihrem kleinen Haus in der Vorstadt und dem gerade eröffneten Blumenladen hat das Migrantenpaar sich in der französischen Mittelschicht etabliert. Da die beiden keine Kinder bekommen können, wenden sie sich an die ASE, das französische Amt für Jugendfürsorge, das mit diesem Spezialfall etwas überfordert ist. Man kann dem schwarzen Ehepaar leider nur ein weißes Baby zur Adoption anbieten. Nun ja, sagt Paul, »dann werden wir die erste Benetton-Familie«.

Lucien Jean-Baptiste ist noch bestens bekannt durch seine Sozialkomödie »Triff die Elisabeths!« aus dem Jahr 2009. Als Hauptdarsteller und Regisseur erzählte der aus Martinique stammende Filmemacher von einem farbigen Taugenichts aus den Pariser Banlieues, der seinen Kindern endlich einmal etwas bieten will – ausgerechnet in einem luxuriösen Ski-Ferienort in den französischen Alpen. Sein neuer Film, wieder mit ihm als Hauptdarsteller, variiert das Culture-Clash-Thema nun mit dem Sujet der Adoption. Neu ist das nicht gerade. Das Kino hat solche Konstellationen längst durchgespielt, etwa in dem Sandra-Bullock-Film »Blind Side«. Mit seinem schwarzen Paar, das ein weißes Kind aufnimmt, scheint Lucien Jean-Baptiste keine neuen Impulse zu vermitteln. So wirkt es zumindest auf den ersten Blick.

Sein Film erscheint grell und boulevardesk, doch die vermeintliche oberflächliche Machart verbirgt einige pikante Detailbe­obachtungen. So ist bereits die ins Auge stechende Explosion der Farben ein Statement. Aïssa Maïga als Salimata trägt senfgelbe Kleider, ihr Mann eine pastellblaue Zipfelmütze. Das sieht hinreißend aus, doch Menschen mit heller Hautfarbe stehen diese Primärfarben überhaupt nicht – was der Film mit einer diebischen Lust ausstellt.

Diesem Farbrausch steht allerdings ein betoniertes Schwarzweißdenken gegenüber: Andere Mütter auf dem Spielplatz und die Kinderärztin halten Salimata stets für die schwarze Nanny ihres Adoptivkindes. Auch die verbiesterte Beamtin vom Jugendamt schikaniert das junge schwarze Paar mit unangemeldeten Kontrollbesuchen. Erwartungsgemäß kann sich dem süßen Baby niemand entziehen. Obwohl am Ende das Denken der Toleranz obsiegt, wird man dem Film nicht gerecht, wenn man ihn als unbeschwertes Kino mit einer zeitgemäßen Botschaft einschätzt. So sind beispielsweise Salimatas Eltern aus dem überwiegend muslimischen Senegal entsetzt über ihr Enkelkind: nicht nur, weil es weiß ist, sondern weil sein Name Benjamin auf eine jüdische Abstammung hindeutet. Den Großeltern wäre sogar »ein Kongolese lieber gewesen«.

Trotz seiner boulevardesken Machart greift der Film das unbequeme Thema jener Fremdenfeindlichkeit auf, die Migranten selbst hegen und pflegen. Das abgedroschene Sujet der Adoption wird dabei zu einer Chiffre dafür, ob Migranten ihre Wahlheimat »adoptieren«. Die vergnügliche, offenherzige Ethnokomödie überrascht so mit manchen Untiefen.

Meinung zum Thema

Kommentare

Gestern habe ich den Film mit meinem Mann und meiner Mutter gesehen und wir haben uns, wie übrigens alle im voll besetzten Kino, kaputtgelacht. Der Film geht absolut sympathisch mit unser aller Vorurteile um. Ein bisschen lacht man dabei auch über sich selbst. Wir waren traurig als er nach gefühlten 5 Minuten schon zu Ende war.

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