Kritik zu Womit haben wir das verdient?

© Neue Visionen Filmverleih

2018
Original-Titel: 
Womit haben wir das verdient?
Filmstart in Deutschland: 
24.01.2019
L: 
91 Min
FSK: 
Ohne Angabe

In der Culture-Clash-Komödie von Eva Spreitzhofer muss sich eine liberal gesinnte Mutter damit auseinandersetzen, dass die Tochter zum Islam übertritt und diesen auch strenggläubig leben will

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»Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung«, hat der selbsternannte Hassprediger Serdar Somuncu immer gesagt. Und dann fleißig ausgeteilt: gegen den Islam, das Judentum, gegen Deutsche, Türken, Araber, Chinesen, gegen gefühlt alles und jeden. Mit seinen derben Predigten entlarvte der deutsch-türkische Kabarettist Klischees und stereotype Zuschreibungen. Und wenn alle gleichermaßen ihr Fett weg bekommen, gibt es eben auch keine Minderheiten mehr.

Genau darum geht es beim Culture-Clash-Humor, auch im Kino: Egal wie derbe oder obszön die Witze auf Kosten der unterschiedlichen kulturellen Kontexte sind, wie laut der Knall auch ist, sollen doch immer Brücken gebaut und die kulturellen »Gaps« überwunden werden. In den besten Fällen funktionieren Culture-Clash-Komödien nach einem ähnlichen Prinzip wie umgekehrte Psychologie und wissen dabei noch locker flockig zu unterhalten. Eva Spreitzhofers Spielfilmdebüt »Womit haben wir das verdient?« ist nun ein Film, bei dem das nicht so recht funktioniert.

Wobei der Anfang zunächst gar nicht wenig verspricht. Da sitzen die geschiedenen Eheleute Wanda (Caroline Peters) und Harald (Simon Schwarz) vor einer Familienpsychologin und kabbeln sich verbal. Als dann die pubertierende Tochter Nina (Chantal Zitzenbacher) den Raum betritt, fällt beiden buchstäblich die Kinnlade herunter: Die ist plötzlich voll verschleiert und zum Islam konvertiert. »Das geht alles online, man braucht nur zwei Zeugen!« kontert die auf die entsetzten Fragen der Eltern.

Spreitzhofer, die auch das Drehbuch geschrieben hat, überspitzt alles Folgende. Die Mutter, selbsterklärte Feministin, muss mit einer trotzigen Teenie-Tochter klarkommen, die sich als Hardlinerin versteht, ḥhalal isst (oder es zumindest versucht), rituelle Waschungen praktiziert, die sie via YouTube lernt und alles Verbotene beschimpft: »Das ist ḥaram!« Im Nacken hat Wanda ihren opportunistischen Exmann und eine riesige Patchworkfamilie, die undurchsichtiger ist als London im Tiefnebel.

Vieles wird durch den Kakao gezogen: (religiöse) Radikalisierung, Nationalismus, Katholizismus, (falscher) Liberalismus. Die boulevardeske Komödie kratzt damit augenzwinkernd an den Oberflächen der aktuellen Debatten. Im Laufe der Handlung schleicht sich allerdings eine ausgrenzende Erzählhaltung ein, die so sicherlich nicht beabsichtigt war. Denn genau diejenigen, deren Traditionen hier hauptsächlich aufs Korn genommen werden, tauchen nur als Statisten auf, etwa wenn Wanda auf Annährungskurs in die Moschee geht. Mit Humor wird diese Außensicht kaum gebrochen, wirklich lustig ist »Womit haben wir das verdient?« nur selten. Dass dann auch noch Hanife (Alev Irmak), die Mutter einer Freundin Ninas und zugleich die einzige muslimische Person mit einer etwas größeren Rolle im Film, eine relativierende Funktion hat nach dem Motto »Guck mal, es gibt auch eine moderne Auslegung des Islams«, hat einen bitteren Beigeschmack.

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