Kritik zu Wild Foxes

© Grandfilm

2025
Original-Titel: 
La danse des renards
Filmstart in Deutschland: 
07.05.2026
L: 
100 Min
FSK: 
12

Der belgische Regisseur Valéry Carnoy erzählt in seinem Coming-of-age-Drama von einem jungen Boxer in der Krise.

Bewertung: 4
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Mit Kinnhaken, gebrochenen Nasen und gestählten Körpern wird im Boxerfilm immer auch Männlichkeit verhandelt. »Rocky« inszenierte den Idealtypus des Boxers, der sich von »unten« hochprügelte; in Martin Scorseses biografischem Drama »Wie ein wilder Stier« ging es um Aufstieg und Fall von Jake LaMotta, einem selbstzerstörerischen Macho.

In dieser Genealogie popkulturell überlieferter Männlichkeit wirft das Kino aktuell gern den Blick ins Innere: Es bohrt die harten Typen auf und zeigt, welche Toxizität dahinterstecken kann. Nachdem Benny Safdie zuletzt in »The Smashing Machine« Erwartungen an Sportlerdramen unterlief und das komplexe Porträt eines kloppenden und doch sensiblen Mixed-Martial-Arts-Kämpfers zeichnete, drückt nun auch Valéry Carnoy mit seinem Langfilmdebüt »Wild Foxes« dem Genre seinen Stempel auf.

Das Drama, das Premiere beim Filmfestival in Cannes feierte, taucht ein in ein französisches Elite-Sportinternat. In naturalistischen Handkameraaufnahmen folgt es Camille (großartig: Samuel Kircher), dem Talentiertesten unter den Nachwuchsboxern an der strengen Kaderschmiede. Gemeinsam mit seinem besten Kumpel und Sparringspartner Matteo (Faycal Anaflous) und weiteren Jungs wird Camille von Trainer Bogdan (Jean-Baptiste Durand) gedrillt: Sparringskämpfe, linker Haken, rechter Haken, Zehnkilometerläufe und Wettkämpfe gegen andere Schulen. Da ist Dampf im Kessel, und der Druck zwischen den Jungs, die so ausgelassen wie gnadenlos miteinander sind, groß. Camille will Profi werden und lässt großkotzig seine Muskeln für Matteos TikTok-Videos spielen.

Nachdem die beiden sich mal wieder in den nahegelegenen Wald geschlichen haben, um streunende Füchse mit gestohlenem Fleisch anzulocken, stürzt Camille von einer Klippe und überlebt nur knapp. Die Schnittwunde an seinem rechten Arm verheilt gut, nur leidet er nach dem Unfall an Phantomschmerzen und Panik­attacken. Er solle die Zähne zusammenbeißen, fordert Bogdan, doch das Training wird für Camille zur Tortur. Schnell wird er wegen seiner psychischen Vulnerabilität zum Außenseiter und von seinen Mitschülern, auch von Matteo, gnadenlos malträtiert.

Nach eigenem Drehbuch arbeitet sich der belgische Regisseur an den Tropen des Genres ab und erzählt ein vielschichtiges, so hartes wie zartes Coming of Age zwischen den toxischen Dynamiken der Jungsclique. Der Originaltitel »La Danse des renards« (Der Tanz der Füchse) trifft es auf den Punkt, denn die Füchse werden zur Metapher des Films: Sie leben in Freiheit und sind eben keine Rudeltiere. Dort die unberührte, verheißungsvolle Natur, in die es Camille immer wieder zieht, in der Schule eine Kultur der Faust. Mit Taekwondo-Schülerin und Trompeterin Yas (Anne Heckel) lernt Camille eine Außenseiterin kennen, der er vertraut. Sie eröffnet ihm eine Welt ohne jenes testosterongesteuerte Konkurrenzgebaren, das sich über Generationen eingeschrieben hat und das »Wild Foxes« zwischen Ruhe und Exzess intensiv und vielschichtig problematisiert.

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