Kritik zu Wie beim ersten Mal

© Wild Bunch

2012
Original-Titel: 
Hope Springs
Filmstart in Deutschland: 
27.09.2012
L: 
100 Min
FSK: 
6

Sprich mit ihr: Meryl Streep und Tommy Lee Jones in einer unverblümten Komödie über eine fast erloschene Ehe, in der Steve Carell als Therapeut unter die Bettdecke schaut

Bewertung: 3
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Von Steve Carell auf der Besetzungsliste sollte man sich nicht täuschen lassen. Viel zu lachen gibt es in dieser Komödie, in der er einen unerschütterlichen Therapeuten spielt, nicht. Stattdessen werden mit staunenswerter Direktheit eheliche Abnutzungserscheinungen angegangen. Wer je dafür plädierte, dass der Hollywood-Mainstream die »reifere« Zielgruppe stärker ins Visier nimmt, bekommt hier eventuell mehr geboten, als er sich gewünscht hat.

In der dreißigjährigen Ehe von Kay (Meryl Streep) und Arnold (Tommy Lee Jones) wird »darüber« nicht geredet. Er arbeitet noch, sie ist Hausfrau mit Nebenjob; die Vorortidylle wird durch kein sichtbares Problem beeinträchtigt, die drei Kinder sind aus dem Haus. Im Bett herrscht seit Jahren tote Hose; zu sagen haben sie sich auch nicht mehr viel. Die sich missachtet fühlende Kay bucht eine Woche Therapieurlaub bei Dr. Bernie Feld (Carrell) und zieht den sich heftig wehrenden Arnold – »Hat es was mit den Hormonen zu tun?« – mit sich. Dr. Feld setzt das Paar auf den heißen Stuhl und konfrontiert es mit Detailfragen zum Sexleben. Dies und die Intimitätsübungen, die er ihnen auferlegt, sorgen für inneren und äußeren Aufruhr.

Mit Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe hat dieser Therapiefilm nichts gemein, schon weil Seitensprünge – Kay stellt einen entsprechenden Ratgeber schnell ins Regal zurück – ein No-go sind. In einen »Rosenkrieg« ufert der Griff ins Eingemachte auch nicht aus; das exemplarisch konventionelle Mittelklassepaar ist sich nämlich noch zugetan. Dennoch wäre der Blick ins Schlafzimmer dieser Ehe ohne sein Starduo schwer erträglich. Virtuos werfen sich die Veteranen auf dem halsbrecherischen Grat zwischen Humor, Klamauk und Fremdschämen die Bälle zu und überspielen sowohl Schmusesoundtrack wie Plattitüden.

Wie der »grumpy old man« Tommy Lee Jones sich angesichts Felds Fragen windet, wie er über die Preise in dem Ferienort knoddert, wie er nach Büroschluss so geschafft umhertrottet, dass man angesichts Kays Erwartungen Mitleid mit ihm empfindet: das ist große Kunst. Meryl Streep, die so oft eine Selfmadefrau gespielt hat, gibt ein liebenswürdiges Heimchen in geblümten Blusen. Kay ist in ihrer Bedürftigkeit wie auch in ihrer Entschlossenheit eine rührende Figur, obwohl Streep mit nervösem Gicks etwas dick aufträgt.

Das kommt eben dabei heraus, wenn ein Mann in einem Frauenfilm Regie führt. David Frankel, der schon in Marley & ich geschmeidigen Biedersinn bewies, inszeniert stattdessen ein bisschen Slapstick auf Kays Kosten, die zaghaft die geheimen Wünsche ihres Mannes zu bedienen versucht. Trotz des Schlenkers zum propagierten Oralsex – gern würde man im Kino mal jenseits von American Pie 4 die umgekehrte Variante erleben – ist der Film mit seiner Botschaft, Lust und Leidenschaft in einer langjährigen Beziehung nicht kampflos aufzugeben, ziemlich modern. Konservativ ist dagegen das Durchhalteplädoyer für die weibliche Zielgruppe. Die eigentlich interessante Erkenntnis ist dabei, dass nicht Therapie und Stimulierung, sondern der negative Anreiz, die Trennungsdrohung, müde Männer munter macht.

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