Kritik zu Wickie auf großer Fahrt

© Constantin

2011
Original-Titel: 
Wickie auf großer Fahrt
Filmstart in Deutschland: 
29.09.2011
L: 
96 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Christian Ditter tritt in die Fußstapfen von Bully Herbig. Im Sequel, dem ersten deutschen Realfilm in 3-D, muss der kleine Wikinger nicht nur seinen Vater befreien, sondern sich auch mit dem Schrecklichen Sven um Thors Hammer streiten

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Mehr als fünf Millionen Besucher hatte der erste Teil der Abenteuer des kleinen Wikingerjungen, Wickie und die starken Männer, vor zwei Jahren. Inszeniert hatte ihn Michael »Bully« Herbig, und dessen Werk gibt so etwas wieder wie die Seh- und Medienerfahrungen der heute 40-Jährigen. Nach der Winnetou-Parodie und der »Raumschiff Enterprise «-Hommage war eine Annäherung an die von den Kinderbüchern von Runer Jonsson inspirierte Animationsfilmserie nur folgerichtig, die in den frühen siebziger Jahren über die Bildschirme flimmerte.

Es ist aber erstaunlich, wie der Stoff aus den sechziger Jahren fast fünfzig Jahre später immer noch funktioniert. Wahrscheinlich, weil Runer Jonsson ganz elementar von jugendlicher Selbstbehauptung und der Cleverness des Schwächeren erzählt und den Vater- Sohn-Konflikt überdeutlich aufs Tablett hob. Denn Wickie muss sich mit Köpfchen durchsetzen gegen seinen Haudraufvater Halvar, der eine Truppe anführt, die mit tumb noch tiefstapelnd umschrieben ist. Im ersten Wickie- Film trug schon die Exposition diesem Vater-Sohn-Konflikt Rechnung: Beim Steinewettlauf hat Wickie Halvar überlistet.

Das Sequel von Christian Ditter dagegen setzt schon zu Beginn andere Akzente: da wird Wickie losgeschickt, um einen Schlüssel zu stehlen, der einem schlafenden Ritter um den Hals hängt. Eine Mutprobe also. Natürlich geht das schief, und am Ende von viel Action haben die Wikinger zwar wenig Beute, aber das kleine Mädchen Svenja als Gefangene und ein kleines Büchlein, das den Weg weist zu einem Eispalast, in dem der Hammer des Gottes Thor aufbewahrt ist. Den will natürlich auch der Schreckliche Sven, der kurzerhand Halvar entführt und auf seiner Burg am »Kap der Angst« gefangenhält. Nun ist es an Wickie, die Truppe anzuführen, Halvar zu befreien und den Hammer zu erobern.

Dem kleinen Jonas Hämmerle merkt man die drei Jahre seit dem ersten Wickie-Film nicht an. Doch so wacker er sich wie das übrige Wikinger-Ensemble auch schlagen mag – der Schreckliche Sven stiehlt als Figur allen die Schau. Günther Kaufmann, der ehemalige Fassbinder-Schauspieler, gibt ihn mit einem herrlichen overacting, sardonischem Lachen und rollenden Augen.

Wickie auf grosser Fahrt hat aber nicht mehr den Charme seines Vorgängers, der sich mit dem Gesandten des spanischen Depeschendienstes (Bully Herbig selbst) und dem stotternden Adjutanten (Jürgen Vogel) des Schrecklichen Sven witzige Nebenfiguren leistete. Ditter hat das Sequel geradlinig auf Fantasy getrimmt, auch wenn man noch einige amüsante Sequenzen aus der Trickfilmserie (etwa das Zahnziehen mittels Pfeil) erkennt. Aber gerade im letzten Drittel ist Schluss mit lustig. Vielleicht fühlt man sich heutzutage bei jeder auf die Felsen geklebten Burg an Herr der Ringe erinnert – aber man wird in der actionreichen Schlussphase des Films das Gefühl nicht los, dass sich Ditter und seine Special- Effects-Leute bei allem bedient haben, was im Abenteuergenre irgendwie bilderprägend war. Den schalen Geschmack kann auch das dreidimensionale Sehen kaum aufwerten.

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