Kritik zu Wen die Geister lieben

© Kinowelt

2008
Original-Titel: 
Ghost Town
Filmstart in Deutschland: 
29.01.2009
Sch: 
L: 
102 Min
FSK: 
6

David Koepp greift ein altes Komödienrezept auf, lässt Greg Kinnear aus dem Jenseits agieren und gibt Ricky Gervais endlich die Gelegenheit, als depressiver englischer Zahnarzt in New York seinen wahren Charme zu entfalten

Bewertung: 4
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Es ist ein furioser Anfang: Gerade noch kanzelt Frank (Greg Kinnear) irgendwo in den sonnigen Straßen New Yorks am Mobiltelefon seinen Immobilienmakler dafür ab, dass dieser das Stadtappartement, das er sich kaufen wollte, statt seiner Geliebten seiner Ehefrau gezeigt habe, was ihn in heikle Erklärungsnöte bringt, da fliegt von weit oben plötzlich eine Klimaanlage herab und droht ihn zu erschlagen. Er kann gerade noch rechtzeitig zur Seite treten. »Sie glauben nicht, was mir gerade passiert ist!«, ruft er daraufhin ins Telefon – und in diesem Moment wird er von einem vorbeifahrenden Bus erwischt und im bittersten Wortsinn aus dem Leben gerissen. Aber weil nun einmal Greg Kinnear diesen Frank verkörpert, ahnen wir, dass damit sein Part in diesem Film noch nicht erledigt ist. Und dass wir uns in einem jener Filme befinden, in denen Hollywood das Überirdische bemüht, um dem Irdischen auf den Grund zu kommen.

Das große Vorbild aller Komödien, die Mittler einsetzen zwischen Himmel und Erde, ist immer noch Frank Capras »It's a Wonderful Life«. Darin muss sich bekanntlich ein ungeschickter Engel namens Clarence seine Flügel noch verdienen, indem er eine gute Tat vollbringt und den lebensmüden James Stewart vor dem Selbstmord bewahrt. »Sie wollen mir also nicht dabei helfen, mir meine Flügel zu verdienen«, sagt Greg Kinnear denn auch zu dem von Ricky Gervais gespielten Zahnarzt, der sich nach einem Nahtoderlebnis in der misslichen Lage befindet, zwar selbst noch am Leben zu sein, aber nun all die Untoten, die in New York herumlungern, sehen zu können. Wie Greg Kinnear hat es sie aus dem Leben gerissen, aber bevor sie das Zeitliche segnen können, müssen sie noch Dinge erledigen. Ricky Gervais mit seiner neu erworbenen Gabe des Geistersehens kommt ihnen da wie gerufen. Endlich einer, den sie beauftragen können, ihre Botschaften zu übermitteln. In Scharen jagen sie ihm nach und erweisen sich dabei als typische New Yorker: drängelnd, egoistisch, fordernd. Der forderndste von ihnen ist Greg Kinnears Frank. Und noch als Untotem gelingt es dem erfolgsverwöhnten Geschäftsmann, den depressiven Zahnarzt bald ganz für seine Zwecke einzuspannen. Bertram Pincus, so Gervais' seinen »Englishmen in New York«-Status hervorkehrender Rollenname, soll die anstehende Neuverheiratung seiner Witwe verhindern.

Die dramatische Bewegung des Films ist im Grunde dieselbe wie einst bei Capra – Erlösung im Jenseits wie im Diesseits –, aber die Figuren sind ganz andere: Ricky Gervais und Greg Kinnear geben keine verkitschten Idealmenschen. Präzise skizziert Kinnear die Widersprüchlichkeit des modernen Erfolgsmenschen, gut im Job, schlecht im Privatleben, Übertroffen wird er darin von Ricky Gervais' Porträt des unansehnlichen Unsympathen, der in uns allen steckt: Einer, der schnell die Lifttür schließt, weil er keine Gesellschaft auf so engem Raum haben will. Die Wandlung dieses wunderbar depressiven, ungeselligen Charakters in einen charmanten Liebhaber ist Komödie, wie sie sein muss: lächerlich und anrührend zugleich.

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