Kritik zu Vierzehn

© Farbfilm

2011
Original-Titel: 
Vierzehn
Filmstart in Deutschland: 
25.04.2013
L: 
92 Min
FSK: 
12

Die bisherige Kinderfilmregisseurin Cornelia Grünberg (Zwei in einem Boot) erzählt in ihrem ersten Dokumentarfilm von vier Teenagermüttern in Deutschland

Bewertung: 2
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Lisa, Steffi, Laura und Fabienne sind durchschnittliche Teenager von heute, hier und dort im nicht näher kenntlich gemachten kleinstädtischen Deutschland. Sie gehen zur Schule, klatschen und chatten mit fremden Jungs, tischen ihren Müttern munter Lügen auf und träumen von einer mehr oder weniger idealisierten Zukunft. Nur etwas ist bei ihnen ein bisschen anders: Die vier Mädchen sind mit vierzehn unerwartet schwanger geworden und haben sich – anscheinend ohne äußeren Druck – entschieden, die Kinder auch zu bekommen.

Nach 17 Mädchen nun also ein deutscher Dokumentarfilm zum Thema junge Mütter. Regisseurin Cornelia Grünberg hat dafür in Intervallen insgesamt zwei Jahre mit den vier Mädchen gedreht, die über Beratungsstellen gecastet wurden. 250 Stunden Filmmaterial sind dabei entstanden, die Grünberg auf 95 Minuten verdichtet hat. Dabei wird die Frühzeit der Schwangerschaft naturgemäß nur über Off oder On montierte Erzählschnipsel der Mädchen und ihrer Familien berichtet, vom späteren Verlauf gibt es dann – auch nachinszenierte – situative Momente, die ganz à la Dokusoap impressionistisch in einen gefälligen Musikteppich eingebettet sind. Die Möglichkeit, eine Situation oder einen Erzählstrang auch mal länger zu verfolgen, gibt es dabei nie, schwupps, ist man schon wieder mit anderen Menschen an einem anderen Ort. Offensichtlich ist diese Sprunghaftigkeit den – vermeintlichen oder wirklichen – jugendlichen Sehgewohnheiten anempfunden. Das Ergebnis ergibt eine Art überlangen Trailer, bei dem die Autorin eine Zeitlang noch hoffte, er würde endlich einmal in den Hauptfilm- Modus gelangen. Doch das wird bis zum Ende nicht geschehen.

Inhaltlich entspricht dieser hingetüpfelten Erzählweise eine Perspektive, die das gefühlige Harmonisieren vor das argumentierende Herausarbeiten von Konfliktlinien stellt. So verweilen gerade die Bildstrecken mit Vorliebe auf emotional positiven Standardsituationen, selbst schwere Komplikationen, die es durchaus gibt, werden durch solche Schnipselei und die sie umwabernden Musikstrecken dem Geplätscher fast bis zur Unkenntlichkeit anverwandelt. Tieferen Einblick ins soziale und familiäre Umfeld gibt der Film nie, überraschende Einblicke und Momente bleiben aus. So bleibt am Ende die nicht wirklich neue Erkenntnis, dass die Mädchen sich durch das Kinderkriegen verändert haben und sich einige in ihrer Verantwortung reifer als die Altersgenossinnen vorkommen.

Auch der Eindruck, dass das Wohlergehen von Kind und Mutter wesentlich vom Maß gelungener Integration in die Großfamilie abhängt, ist naheliegend, mag hier aber zusätzlich von der manchmal arg suggestiven Montage gesteuert sein. Die Richtigkeit solcher Beobachtungen wird auch hier die Zeit weisen, die Folgeprojekte Achtzehn und Achtundzwanzig hat Grünberg schon in Planung. Vielleicht – hoffentlich! – haben sich bis dahin die filmischen Moden ja verändert und es kann bedächtiger erzählt werden. Bei aller Kritik dürfte Vierzehn für die Zielgruppe selbst und ihre Eltern durchaus von Interesse sein.

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