Kritik zu Tschiller: Off Duty

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Nach Schimanski ist Tschiller tatsächlich erst der zweite »Tatort«-Kommissar, der ins Kino kommt, und siehe da: Til Schweiger macht unter der Regie von Christian Alvart auf der großen Leinwand tatsächlich eine gute Figur

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Wenn es »Tatort«-Kommissare ins Kino zieht, dann werden gern die großen Klassiker des Actionfilms aufgerufen. Götz George alias Horst Schimanski ermittelte in »Zahn um Zahn« (1985) in Marseille und drohte dort unter die Räder zu kommen, was Erinnerungen an »French Connection II« mit Gene Hackman wachrufen sollte. Der flotte Kinofilm mit dem Duisburger Ermittler kam im Ganzen freilich nicht an diese Referenz heran.

Til Schweiger ist bekanntermaßen noch lautsprecherischer, als es Götz George jemals war. Seit er 2013 als Hamburger »Tatort«-Kommissar Nick Tschiller einstieg, macht er bei jeder Gelegenheit darauf aufmerksam, für wie bahnbrechend er das Konzept seines »Tatorts« hält. Dass er nun als zweiter »Tatort«-Ermittler nach Schimanski mit »Tschiller: Off Duty« ins Kino gekommen ist, findet Schweiger sicher genauso konsequent, wie er Vergleiche mit Bruce Willis oder Daniel Craig für angemessen hält.

Interessanterweise zeigt »Off Duty«, dass die Figur Tschiller auf der großen Leinwand besser funktioniert als auf dem Fernsehbildschirm. Hier hat sie den Raum, den ein extrem physischer und schier atemloser Film braucht. Schweiger alias Tschiller ist unter der souveränen Regie von Christian Alvart nahezu immer in Bewegung, klettert über die Dächer Istanbuls, lenkt Mähdrescher durch russische Felder und wuselt im Smoking durch die Party eines Moskauer Magnaten. Er ist auf der Suche nach seiner Tochter Lenny, die erneut entführt worden ist.

»Off Duty« macht vieles richtig. Das Drehbuch von Christoph Darnstädt gibt der Geschichte eine klare Struktur und verzettelt sich nicht in verschwörungstheoretischen Nebenhandlungen, wie es bei der unmittelbar vorausgehenden »Tatort«-Folge »Fegefeuer« der Fall war. Zudem hält der Film die Überraschung parat, dass er keineswegs auf die erwartete finale Abrechnung mit Tschillers Erzfeind Firat Astan (Erdal Yildiz) hinkomponiert ist. Der Hamburger Clanchef, der an die Türkei ausgeliefert wurde, verschwindet relativ früh aus »Off Duty« und macht Platz für einen viel fürchterlicheren Bösewicht: den türkischen Geheimdienstmitarbeiter Süleyman Seker.

Özgür Yildirim, der als Regisseur des Gangsterdramas »Chiko« bekannt wurde, spielt den schmierig-sadistischen Seker wirkungsvoll, auch wenn er zuweilen an die Grenze zum Chargieren gerät. Tschiller wiederum kann auch in der Türkei und in Russland auf seinen Kollegenkumpel Yalcin Gümer (Fahri Yardim) zählen, dessen Sprüche dem Film einen wohltuend ironischen Touch geben. In den Dialogen von Tschiller und Gümer kommt, allen Bondzitaten und »96 Hours«-Anleihen zum Trotz, das eigentliche Vorbild zum Vorschein: die »Lethal Weapon«-Filme, in denen Mel Gibson und Danny Glover humorig durch gepfefferte Destruktionsorgien marschierten.

Gelegentlich stören allzu groteske Überzeichnungen; originelle Handlungswendungen sind Mangelware; und die Frage der Plausibilität sollte man bei »Off Duty« lieber auch nicht stellen. Unterhaltungswert kann man dem Film, in dem die Actionsequenzen eine beachtliche Qualität aufweisen, aber nicht absprechen.

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