Kritik zu Trautmann

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Marcus H. Rosenmüller verfilmt die Geschichte des Fußballers Bert Trautmann, der als misstrauisch beäugter Kriegsgefangener auf der britischen Insel landete und dann dort zum gefeierten Torwarthelden von Manchester City aufstieg

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»Traut the Kraut« – so beschimpften die Fans Bert Trautmann, als er zum ersten Mal als Torwart von Manchester City aufs Feld kam. Mehr als 20 000 Demons­tranten protestierten 1949 gegen den Vertrag mit dem deutschen Fußballer, der als Kriegsgefangener auf die britische Insel kam und in 590 Spielen vom verhassten Feind zur gefeierten Fußballlegende aufstieg. Nun hat sich Marcus H. Rosenmüller, der sich mit Filmen wie »Beste Zeit« (2007) als ebenso bodenständiger wie sensibler bayrischer Heimatfilmer einen Namen gemacht hat, des Stoffes angenommen.

Mit »Trautmann« wagt er sich allerdings weit aus seiner Komfortzone heraus. Der Film wurde als deutsch-britische Koproduktion in englischer Sprache mit einer vornehmlich britischen Besetzung realisiert. David Kross spielt den deutschen Wehrmachtssoldaten, der 1945 in einem Lager in der Nähe von Manchester interniert wird. Als Fallschirmspringer und Träger des Eisernen Kreuzes wird er vom Lagerkommandanten misstrauisch beäugt. Da muss der Lebensmittelhändler Jack Friar (John Hen­shaw) schon eine Kiste Zigarren springen lassen, damit er den Kriegsgefangenen als Ladenhilfe ausleihen kann. Eigentlich braucht Jack den Deutschen als Torwart für sein Provinzteam. Mannschaft und Publikum in St. Helens sind zunächst wenig begeistert von dem Nazi-Keeper, aber der »Kraut« hält den Kasten sauber und verhindert den drohenden Abstieg. Als das Lager aufgelöst wird, lehnt Trautmann die Repatri­ierung nach Deutschland ab und bleibt in England, wo bald die Talent-Scouts von Manchester City auf ihn aufmerksam werden.

Rosenmüller bedient in »Trautmann« die klassische Sportfilmdramaturgie, die den mühsamen Aufstieg eines Außenseiters über Rückschläge bis zum finalen Triumph vorsieht. In diesem Fall ist dies das legendäre Finale zwischen Manchester und Birmingham 1956, das Trautmann in den letzten 15 Spielminuten mit einem gebrochenen Halswirbel absolvierte, wodurch er in der britischen Öffentlichkeit endgültig zum Fußballhelden aufstieg. Aber die sportliche Erfolgsstory ist hier nur ein Vehikel: Das eigentliche »goal« des Filmes ist die Integration des ehemaligen Kriegsfeindes. Vor dem Kontext heutiger Integrationsdebatten verfehlt eine Geschichte, in der sich ein Deutscher seinen Platz in einer ihm feindlich gesonnenen Umgebung erarbeiten muss, nicht ihre Wirkung. Rosenmüller zeigt den verständlichen Hass auf den Kriegsgefangenen in aller Deutlichkeit, um den steinigen Weg hin zur Versöhnung abzuwandern. Da hätte man sich allerdings noch mehr Tiefe und Mut zu offenen Widersprüchen gewünscht, gerade auch wenn es um Bewältigung soldatischer Schuldtraumata geht. Zu schnell knickt der Film hier vor den Harmoniebedürfnissen des Mainstreamkinos ein.

Mit erstaunlichem Geschick jedoch lehnt sich »Trautmann« an die Textur britischer Feelgoodmovies an. Hier zeigt sich Rosenmüllers Stärke, wenn er in der englischen Working-Class der Nachkriegszeit sein Gespür für soziale Milieus genauso beweist wie zuvor in seiner bayrischen Heimat. 

Meinung zum Thema

Kommentare

Bert war ein guter Freund meines Onkels, Rolf Rheinländer, der ebenfalls als Kriegsgefangener im gleichen Lager wie Bert gewesen ist. Samstags gingen sie immer zum tanzen und lernen dort ein englisches Mädchen kennen, die sie dann heirateten und .... Ein langes Leben ging vor 4 Jahren zu Ende. Er ist sein Leben lang seinen Freunden aus der Gefangenschaft treu geblieben, einer lebt noch, das ist Erich... Ein Musical wurde vor kurzem über das Leben meines Onkels von Michael Howl produziert.

Er wäre sehr stolz über diesen Film gewesen.

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Ein äußerst bewundernswerter Mensch und Klasse Keeper. Ich hab auch seine Biographie gelesen...

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