Kritik zu Thor: Tag der Entscheidung

© Walt Disney

Regisseur Taika Waititi steigert den komödiantischen Ton des »Thor«-Franchise ins Selbstironische

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Im dritten Film der »Thor«-Reihe kämpft der Titelheld mit einem alten Problem: Sein Hammer Mjölnir, auf dessen Kraft der Hitzkopf sich bedenkenlos verlässt, kann ihm nicht helfen. Außerdem muss der nordische Heroe einen zeitgemäßen Haarschnitt über sich ergehen lassen. Und am Ende stellt der scheinbar Unbesiegbare sich einer Keilerei, die buchstäblich ins Auge geht. Doch der Reihe nach … 

»Thor: Tag der Entscheidung« (2017). © Walt Disney

Diesmal trifft Thor (Chris Hemsworth) auf seine Schwester Hela (Cate Blanchett). Als Erstgeborene, die nach einer Intrige ins Exil verbannt wurde, hat sie mehr Macht als der Donnergott. Seinen Hammer zerbröselt sie nebenbei wie einen Zahnstocher. Die spielfreudige Blanchett verkörpert das Gegenteil der hehren Elbin aus »Herr der Ringe«, eine schwarz gekleidete Domina, die ihre Macht aus einem phallischen Hirschgeweih auf dem Kopf bezieht. Mit diabolischer Zerstörungslust unterwirft sie ganz Asgard. 

Das wäre eigentlich das Ende der Geschichte. Doch der neue Beitrag zum Marvel-Universum überrascht mit netten und abgedrehten Wendungen. Nachdem Hela ihm demonstriert hat, wo der Hammer tatsächlich hängt, verschlägt es Thor auf einen fernen Planeten, eine Welt, die aus einer einzigen Müllhalde besteht. Die Bewohner dieser so farbenfrohen wie morbiden Megacity fiebern nur einem entgegen: den Gladiatorenspielen, die von einem gewissen Grandmaster veranstaltet werden – eine Rolle, in der Jeff Golfblum sich elegant vor Peter Ustinovs Nero verbeugt.

»Thor: Tag der Entscheidung« (2017). © Walt Disney

Höhepunkt des skurrilen Treibens, in Stil und Farbgebung ein wenig an Vadims Barbarella angelehnt, ist ein Gladiatorenkampf. Thor muss gegen den lokalen Champion antreten, den das Publikum mit grünen Farbbeuteln frenetisch bejubelt: den Hulk. Erinnert man sich an den gleichnamigen brasilianischen Fußballstar, den die Besucher im Stadion ehrfürchtig mit Hulk-Masken feiern, denn macht das noch mehr Spaß. Die frenetische Stimmung in dieser Arena, die von einer übergroßen, flackernden 3D-Projektion Jeff Goldblums angeheizt wird, bildet schließlich den Höhepunkt der schrillen Mischung aus Comic, Comedy und Videospiel.

Auch die vorangegangenen »Thor«-Filme hatten bereits humorvolle Elemente, doch nun setzt der Neuseeländer Taika Waititi auf jene überdrehte Selbstironie, die man aus seiner Vampirgroteske »5 Zimmer Küche Sarg« kennt. Auf einem kurzen Zwischenstopp in New York etwa, wohin Thors Vater Odin ins Altersheim abgeschoben wurde, nutzen die Passanten die Gelegenheit, um ein Selfie mit Thor zu schießen. Benedict Cumberbatch hat einen lustigen, letztlich aber auch etwas kontraproduktiven Auftritt als »Dr. Strange«. Dieser Magier kann jedermann mit einer beiläufigen Geste durch Raum und Zeit schicken:  Warum eigentlich löst der allmächtige Dr. nicht die Probleme von Asgard? 

»Thor: Tag der Entscheidung« (2017). © Walt Disney

Fragen der logischen Plausibilität darf man an dieses mit über zwei Stunden mal wieder zu lang geratene Franchise nicht stellen. Schließlich führen die Helden hier archaische Klingen, während sie sich mit Raumschiffen wie aus »Star Wars« halsbrecherische Verfolgungsjagden liefern. Wenn die Götter Astronauten sind – hat also am Ende Erich von Däniken doch Recht behalten?

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