Kritik zu Surrogates – Mein zweites Ich

© Walt Disney

Wäre es nicht wunderbar, wenn man morgens faul im Bett liegen bleiben und einfach einen Doppelgänger als Stellvertreter zur Arbeit schicken könnte? In diesem futuristischen Action-Thriller macht das so gut wie jeder

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Deshalb sind es auch nur die makellosen, wie aus dem Ei gepellten Repliken von FBI Agent Tom Greer (Bruce Willis) und seiner schönen Assistentin Jennifer Peters (Radha Mitchell), die eines Morgens zum Tatort eines Mordes gerufen werden. Vor einer Nobeldisco liegt die durchgebrannte Roboterkopie eines College-Studenten. Nun würde der »Mord« an einem Surrogaten lediglich den Tatbestand einer Sachbeschädigung erfüllen. Der unbekannte Täter hat aber eine neuartige Waffe benutzt, die nicht nur die Schaltkreise des Surrogaten, sondern auch das Hirn des echten Menschen daheim auf dem Sofa frittiert hat. Noch dazu handelt es sich bei dem Opfer um den Sohn von Lionel Canter, dem Erfinder des revolutionären Surrogaten-Systems. Greer und Peters vermuten, dass der Killer zu der militanten Gruppierung von Menschen gehört, die sich für die Rückkehr zur menschlichen Lebensform einsetzt und die von einem afroamerikanischen Sektenführer angeführt wird, der sich selbst nur »Prophet« nennt.

Das makellose Erscheinungsbild der künstlichen Doppelgänger erinnert in seiner Weichzeichner-Ästhetik an das penetrante Strahlen der faltenfreien Covergirls, die einem auf Fernsehzeitschriften begegnen. Bruce Willis und Radha Mitchell spielen Doppelrollen und stellen auch ihre digital retuschierten Replikanten dar, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Die oft beklagte Seelenlosigkeit, die man computermanipulierten Bildern und Figuren oft vorwirft, wird hier zum Pluspunkt. Die kühlen Photoshop-Schönheiten in »The Surrogates« sind überzeugender, schöner und damit gruseliger als ihre noch analogen Vorfahren aus »Blade Runner« und »A.I. – Künstliche Intelligenz«.

Jonathan Mostow, Garant für solide Action-Kost wie »Terminator 3 – Rebellion der Maschinen«, und seine Drehbuchautoren John Brancato und Michael Ferris haben aus der eher stimmungsvoll und behutsam angelegten Comicvorlage »The Surrogates« von Autor Robert Vendetti und Zeichner Brett Weldele einen auf Bruce Willis zugeschnittenen Film gemacht. Der brummelige Actionstar muss seinen Surrogaten mit dem Zahnpastalächeln selbstverständlich irgendwann verschrotten und fortan in bester »Stirb Langsam«-Manier dem mutmaßlichen Killer hinterherhetzen. Erhebliche inhaltliche Änderungen in Plot und Erzählstruktur machen aus der künstlerisch kühnen Graphic Novel ein nahezu stromlinienförmiges Ereigniskino.

Besonders auffällig wird das beim geschönten Happy End. Die unüberwindbaren Beziehungsprobleme, die Agent Greer in der Comicvorlage mit seiner Frau Maggie (Rosamund Pike) und ihrem Surrogaten hat, löst der Film nahezu in Wohlgefallen auf. Damit betreibt Mostow mit seiner Adaption genau die Weichspülerei, die in der Vorlage angeprangert wird. In Robert Vendittis bitterer Graphic Novel geht es um Entfremdung und Schmerz. In Jonathan Mostows unterhaltsamem Film geht's um Action. Daran sieht man, wie nötig wir alle unseren eigenen Surrogaten hätten.

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