Kritik zu Spring Breakers

© Wild Bunch

Ist das Kunst? Ist es Trash? Ist es Satire? Oder einfach Quatsch? Harmony Korines irrlichternder Trip in eine Welt voller Bikinis, Drogen und Waffen passt in keine Schublade

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Zunächst einmal spricht einiges an Spring Breakers für blanken Trash. Die Dialoge sind von teilweise schmerzhafter Banalität, die Hauptfiguren, vier hübsche und lebenshungrige College Girls, tragen fast immer Bikini, sei es im Gerichtssaal oder bei einem Feuergefecht, und die Handlung ist so dünn wie der String an einem Tanga. Die ersten Minuten etablieren bereits alles, was man von einem Film über das Phänomen des »Spring Break« erwartet: Da tanzen Massen von enthemmtenTeenagern, rauschen Ströme von Alkohol in gierige Münder, da wackeln jede Menge Hintern und Brüste unter der Sonne Floridas. Harmony Korine zelebriert diese Befreiung der Triebe nur leicht überzeichnet und setzt dann als harten Kontrast einige Bilder vom wohlgeordneten College-Leben dagegen. Aus letzterem wollen seine Protagonistinnen ausbrechen, denn der Sinn des Lebens besteht ja wohl aus Party, Sex und Drogen. Also nichts wie raus, nach Florida. Da ihnen aber das Geld dafür fehlt, beschließen sie kurzerhand, ein Diner zu überfallen. Gesagt, getan – und schon sind sie am Strand und feiern.

So könnte der Film nach etwa 20 Minuten enden, doch der Spaß der Mädchen wird alsbald durch die Polizei ausgebremst, und erst ein geheimnisvoller Typ namens Alien, der ihre Kaution bezahlt, sorgt dafür, dass ihre kriminelle Energie neue Herausforderungen findet. Alien, wunderbar gespielt von James Franco, bewaffnet mit jeder Menge großkalibriger Knarren und zwei Reihen silbern blitzender Zähne, zieht sie auf die dunkle Seite des Sonnenparadieses. Mit seiner Figur kommt der Film der Satire noch am nächsten. Wenn Alien am Flügel mit herzzerreißendem Schmelz den Bikini Babes ein Stück von Britney Spears darbietet, bleibt kein Auge trocken. Anders, als man vom Autor von Kids und Regisseur von Gummo und den Trash Humpers vielleicht erwarten könnte, reizt der Film aber sein Potenzial an Groteske und Provokation nie aus. Am leichtesten lässt sich sagen, was Korine hier nicht interessiert: zum Beispiel die Mechanismen des Teenfilms oder des Gangstergenres, die Psychologie seiner Figuren oder Kritik an unserer Konsumgesellschaft. Weit mehr Aufmerksamkeit richtet er – in einer Art empathischem Voyeurismus – auf die Lust am Exzess und den Fetischcharakter von Waffen: Immer wieder wird hier mit ihnen gespielt, in erotischen wie auch suizidalen Gesten. Im exzessiven Lebenshunger dieser Teenager schwingt immer auch eine mächtige Todessehnsucht mit. Korine schlägt düstere Töne an – und bricht sie dann wieder mit Komik, schwelgt in Farbenräuschen. Sarkasmus und Sinnlichkeit, Kunst und Trash gehen in Spring Breakers so fließend ineinander über wie in Songs von Frank Zappa.

Am liebsten driftet der Film durch bekiffte Stimmungssequenzen, springt in der Zeit vor und wieder zurück, und überlässt seine Bilder minutenlang dem Rhythmus des elektronischen Scores. Als wolle er den Mädchen ihren Wunsch nach dem nie endenden Rausch erfüllen: »Dieser Augenblick müsste für alle Ewigkeit andauern.« Korine sucht die Poesie. Und seine bonbonbunte Arthouse-Exploitation findet sie mehr als einmal: in selbstvergessener, bizarrer Schönheit.

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