Kritik zu Spider-Man: A New Universe

© Sony Pictures

Die Animations-Neuauflage des Spider-Man-Stoffes setzt auf Witz und Vervielfältigung: An die Stelle des vertrauten Spinnenmanns treten Nachfolger aus anderen Genre-Dimensionen wie etwa ein »Spider-Man noir«

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Die schlechte Nachricht zuerst: Spider-Man ist tot. Diesmal wirklich. Er wurde ermordet von dem Schurken Kingpin. Die gute Nachricht: Der Spinnenmann steht wieder auf. Und zwar nicht nur einmal, sondern in einer an Andy Warhol erinnernden Serialität. Wir alle, so die Botschaft dieses Comicabenteuers, sind Spider-Man. Mit dieser schrillen Geschichte versucht die Marvel-Werkstatt den Reset-Knopf zu drücken. Um dem Popularitätsschwund der Spider-Man-Franchise entgegenzuwirken, haben sich die Macher auf die Wurzeln dieses Superhelden im Comicheft besonnen. »Spider-Man: a New Universe« ist ein Animationsfilm.

So etwas gab es bereits mehrfach. Doch die aktuelle Sony-Produktion beschwört ausdrücklich den Geist des Originals. Ähnlich wie bei der amerikanisch-kanadischen TV-Serie aus dem Jahr 2003 wird auf den fotorealistischen Effekt verzichtet, der im Animationsfilm zum Standard geworden ist. Dank »cel shading« sehen die Bilder wieder so aus wie guter alter Zeichentrick – als hätten die Comic-Panels laufen gelernt. Überzeugender als in den Realfilmen mit Tobey Maguire kommt so auch die besondere Dynamik des Superhelden zur Geltung, etwa wenn Spider-Man vom Hochhaus hinabspringt, um sich am seidenen Faden wieder emporzuschwingen.

Lustvoll zitiert werden zudem die für Graphic Novels typische onomatopoetische Lautmalerei wie »Vrrroooom«. Und wenn Peter Parkers »Spinnensinn« Gefahr meldet, dann sind wie im Comicheftchen jene gewellten Striche um seinen Kopf zu sehen, die übernatürliche Wahrnehmung symbolisieren. Im Gegensatz aber zum handgemachten Zeichentrick der alten Schule entfacht diese computergenerierte Animation ein Feuerwerk aus Schnitten und extravaganten »Kamerapositionen«. Der animierte »Spider-Man«-Film vereint also das Beste aus zwei Welten.

Leider wird die so entstehende visuelle Rasanz bald ausgebremst durch die überladene Geschichte: Nach dem Tod des Helden wird Miles Morales, ein farbiger Latino-Teenager aus Brooklyn, von einer radioaktiven Spinne gebissen. Nicht genug, dass der Junge nun mit den Schwierigkeiten seiner Superkräfte hadert. Er gerät auch ins Visier des Superschurken Kingpin. Unerwartete Hilfe erhält er von einem aus dem Paralleluniversum stammenden Trash-Spider-Man, der mit seinem Bauchansatz und der großen Klappe an Deadpool erinnert. Gemeinsam mit einem schwarz-weißen Bogart-Spider, einem Schweinchen-Dick-Spider, einer Spider-Woman und einem Manga-Spider bringt Miles schließlich den Kingpin zur Strecke.

Dieses anything goes geht einher mit jener forcierten Psychologisierung, die schon in den vorangegangenen Spider-Man-Adaptionen nicht überzeugte. So muss der junge Miles lernen, seinen Vater zu ehren. Der Bösewicht Kingpin ist nicht wirklich böse, denn auch er leidet unter einem psychischen Trauma. Und aus Dr. Octopus wird im Zuge der Gleichberechtigung eine Octopussy.

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