Kritik zu So was von da

© DCM

2018
Original-Titel: 
So was von da
Filmstart in Deutschland: 
16.08.2018
V: 
L: 
100 Min
FSK: 
16

Wenn das Leben auf die Leinwand knallt: Jakob Lass adaptiert den Roman von Tino Hanekamp fürs Kino mit dem Versuch, die Realität eines rauschenden Fests quasi als teilnehmender Beobachter abzufilmen

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Gleich mal mittenmang in die Vollen: Kiezkalle will sein Geld zurück und poltert in die Wohnung von Oskar Wrobel, der eigentlich noch den Rausch von gestern ausschläft. Nicht ganz wach sitzt dieser bereits auf einem Berg von Schulden; etwas in der Größenordnung von 10 000 Euro, zahlbar um Mitternacht. Das ist jetzt blöd, weil Silvester ist und weil die letzte Nacht des Musikclubs, den Wrobel auf der Hamburger Reeperbahn betreibt, standesgemäß begangen werden soll. Das Etablissement ist nämlich von der Abrissbirne bedroht; da es also in diesem Falle tatsächlich kein Morgen gibt, muss dementsprechend gefeiert werden. Wer hat da Zeit für Finanztransaktionen? Zumal sich auch noch die längst nicht überwundene Ex im Club einfindet und neuerlich schöne Augen macht. Sowie dies und das und jenes sich zu turbulenten Ereignissen auftürmt und außerdem natürlich viele verschiedene Drogen eingenommen werden müssen, damit es richtig fetzt.

Mit »So was von da« verfilmt Jakob Lass den 2011 erschienenen gleichnamigen Debütroman von Tino Hanekamp, der unter anderem um die langen Nächte von St. Pauli kreist. Die totale Gegenwart also, sich nicht um Konsequenz und Verantwortung kümmernd, den Augenblick zele­brierend, die Zukunft nicht achtend und die Vergangenheit – war da was? Das mag alles gut und schön und aufregend sein, wenn man selbst die Sau rauslässt, es ist aber eher weniger prickelnd, stocknüchtern vom Kinosessel aus zuzuschauen, wie andere das machen.

Denn das ist hier der Kunstgriff: »Die Werktreue der Romanverfilmung besteht nicht in einer Reproduktion der Dialoge aus dem Buch, sondern darin, das Lebensgefühl des Romans auf die Leinwand knallen zu lassen.« So verlautbarte es zu Beginn der Dreharbeiten die Produktionsfirma in einem Casting-Aufruf an feieraffine Statisten. Soll heißen, dass die Schauspieler inmitten einer mehr oder weniger authentischen Fete in einem echten Hamburger Club agieren.

Dementsprechend unstrukturiert geht es zu. Mit seiner weitwinkelverzerrte Bilder produzierenden Wackelkamera schlingert der bekanntlich chaosgestählte Lass durchs Getümmel wacker vor sich hin improvisierender Party-People. Wie's scheint, immer auf der Suche nach dem roten Faden, der sich ihm, den aufgebotenen filmischen ­Mitteln zum Trotz, hartnäckig entzieht. Reißschwenk, Zeitraffer, Doppelbelichtung, Split-Screen, Jump-Cut und spontaneistisches Schärfeziehen führen nicht zu narrativer Dringlich- sondern nur zu weiterer Unübersichtlichkeit. Gastauftritte von Bela B. als aus dem Koma erwachtem Rockopa und Corinna Harfouch als im Fahrstuhl steckengebliebener Innensenatorin sind zwar prägnant, wirken in ihrer Professionalität aber auch wie Fremdkörper. Lästig steht die Frage im Raum, wohin das alles führen soll und wozu man sich das anschaut. Und so kommt man aus diesem quasi sinnfreien Film beinahe ebenso verkatert heraus wie die Nachtschattengewächse, die aus dem Club stolpern. Der Morgen graut, die Hütte brennt, doch springt kein Funke über.

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