Kritik zu So viel Zeit

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Nach 30 Jahren kommen fünf Altrocker zur Reunion ihrer Band Bochums Steine zusammen: Klamaukige Tragikomödie nach einem Roman von Frank Goosen

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Es gehört schon einiges dazu, ein Krebsdrama als Feelgood-Komödie zu inszenieren. Wenn ein Roman von Männerbuchschreiber Frank Goosen die Vorlage liefert, sind aber schon die besten Voraussetzungen geschaffen. Regisseur Philipp Kadelbach setzt in seiner Verfilmung von »So viel Zeit« allerdings noch ein paar Gags, Klischees und Oberflächlichkeiten obendrauf.

Rainer (angenehm zurückhaltend-melancholisch: Jan Josef Liefers) schlägt sich als Musiklehrer mittelprächtig begabter Hobbymusiker durch. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen, die Beziehung zu seinem Sohn Daniel bekommt er nicht so recht hin. Rainer war es, der vor 30 Jahren die Rockband Bochums Steine torpediert hat, als er Bandmitglied Ole (Jürgen Vogel) von der Bühne stieß und schwer verletzte. Die Fab Five aus Bochum waren damit Geschichte.

Doch dann hört Rainer von einer Jubiläums-Ausgabe des legendären WDR-Rockpalastes, wo sie vor drei Jahrzehnten als Vorband von Nena und den Scorpions spielten. Um seinem trostlosen Leben ­einen neuen Sinn zu geben, will er die Band wieder zusammenführen und im Rockpalast auftreten. Der spießige Religionslehrer Konni (Matthias Bundschuh), dessen Frau sich gerade mit einem anderen Mann ausprobiert, der verwitwete Zahnarzt und Vater zweier vorpubertärer Mädchen Bulle (Armin Rohde) und der rockende Schwerenöter Thomas (Richy Müller) sind zunächst wenig begeistert und willigen dann doch ein. Ole, der einzige, der es geschafft zu haben scheint, lebt als Hipster in Berlin. Ihn spricht Rainer zunächst erst gar nicht an. Die Band ist gerade wieder beisammen, da erfährt Rainer von einem riesigen ­Tumor, »der sich wie Packman durch sein Gehirn frisst«. Natürlich behält er die Diagnose für sich.

Regisseur Kadelbach taucht jede Szene in ein milchig-gelbliches Licht. Mit Ausnahme von Spießer Konni leben alle, selbst Zahnarzt Bulle, in heruntergekommenen Ruhrpott-Backsteinhäusern, niemand fährt ein Auto, das jünger als 15 Jahre ist. Würden Rainer und sein halbwüchsiger Sohn nicht ab und zu zum Smartphone greifen, der Zuschauer fühlte sich in die frühen 80er-Jahre versetzt. In den späten 80er-Jahren sollen Bochums Steine ihre ­Erfolge erlebt haben, doch irgendwie ­wollen die Bilder der Rückblenden so gar nicht in die Pop-Ära passen. Kadelbach ist allzu verliebt in den verklärten Retro-Look mit Ruhrpott-Romantik.

Ganz wie in Goosens Vorlage bekommt jedes Problem seinen Gag: die krebsbedingten epileptischen Anfälle, der nahende Tod, Beziehungsunfähigkeiten, eingeschlafene Ehen – und irgendwie geht dann doch alles gut aus. Plötzlich bekommen die drei Lonely Rider Rainer, Bulle und Thomas doch noch eine Frau ab, die einst zerstrittenen Fab Five entpuppen sich als Club der treuen Männerfreundschaften. Neben den männlichen Garanten des deutschen TVs laufen mit Laura Tonke, Alwara Höfels und Jeanette Hain auch die weiblichen Pendants auf. »So viel Zeit« hätte eine nachdenkliche Komödie über Männer um die 50 werden können, ist aber eine gutgelaunte Klamotte geworden.

Meinung zum Thema

Kommentare

Mehr Spoiler konnte man in der Kritik auch nicht unterbringen oder?

Der Film ist deutlich besser als einen diese miese Kritik glauben lässt. Die Besetzung ist 1A und die Rollen werden saugut verkörpert! Mich hat insbesondere Jürgen Vogel total begeistert. Nicht nur was das Spiel sondern vor allem seinen Gesang anbelangt! Bei einem Gen Y oder Gen Z Publikum mag die Message und vor allen die Musik des Films vielleicht nicht gut ankommen. Mich an Vertreterin der Generation Z spricht aber sowohl der Plot als auch die Musik total an.

Toller Film...tolle Darsteller...tolle Musik...mehr gibt es nicht zu sagen!

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