Kritik zu So glücklich war ich noch nie

© Kinowelt

2008
Original-Titel: 
So glücklich war ich noch nie
Filmstart in Deutschland: 
09.04.2009
L: 
94 Min
FSK: 
12

Das Spielfilmdebüt des Drehbuchschreibers Alexander Adolph will viel: eine hübsche Konstellation – der Hochstapler und die Prostituierte; beide mit guten Herzen – mit einer pfiffigen-rührenden Story verbinden und auch noch gesellschaftskritisch sein

Bewertung: 2
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Er, der Hochstapler aus tiefinnerster Berufung, rettet sie, die Prostituierte mit den traurigen Augen, aus den Fängen einer sinistren Bordell-Mafia. Und sie rettet seine Seele. Es spielen A-Klasse-Darsteller, denen man immer gern zuschaut: der jungenhaft-lässige Devid Striesow (»Yella«) und die enigmatische Nadja Uhl (»Sommer vorm Balkon«). Es ist ein Stoff, der gesellschaftskritische Seitenhiebe geradezu herausfordert: Hochstapler halten einer hochstapelnden Gesellschaft den Spiegel vor. Und inszeniert hat ein Regisseur, der sich bei seinem Dokumentarfilm »Die Hochstapler« ausgiebig in die Lebensgeschichten von vier Trickbetrügern eingearbeitet hat. Beste Anlagen und Voraussetzungen also für einen Film, der sich auch als hinreichend vergnüglich und anrührend erweist, dem jedoch für das große Gelingen Entscheidendes fehlt: Figuren-Glanz und die zupackende komödiantische Durchdringung des Stoffes.

Der Held heißt Frank Knöpfel, trägt also die Initialen Felix Krulls. Der Vergleich mit »Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« lässt sich nicht vermeiden. Seinen Krull hat Thomas Mann so charakterisiert: »Er ist eine Art Künstler-Natur, ein Träumer, Phantast, der das Illusionäre von Welt und Leben tief empfindet. Er genügt sich niemals in seiner Individualität, sondern strebt schauspielerisch ins Andere hinüber, besonders in die Sphäre der Vornehmheit.« Die Knöpfel-Figur hat etwas von dieser Künstler-, Träumer-, Schauspieler-Natur und gesteht einmal: »Man ist doch nie gleich. Man ist doch ständig jemand anderes.« Dass sie nicht in die »Sphäre der Vornehmheit« strebt, wäre zu akzeptieren, aber es fehlt ihr die großartige Ausfaltung des betrügerischen Fantastentums à la Krull. Wenn dieser Knöpfel nach einer Haftstrafe bei seinem arg biederen Bruder Unterschlupf findet und nach neuen Opfern Ausschau hält, dann legt sich das aus beengten Räumen und Mentalitäten geformte Kleine-Leute-Milieu wie ein Grauschleier über das ganze Geschehen. Der Romanze mangelt es an Eros. Sie hat eher demonstrative Funktion, soll den Trickbetrüger als Ritter der Rechtschaffenheit zeigen: wenn er nur mehr betrügt, um die schöne Prostituierte, in die er sich verliebt hat, freikaufen zu können. Die Gesellschaftskritik bleibt in ironischen Anspielungen hängen. Der Politiker einer fiktiven liberalen Partei und ein luxuriös residierender Anwalt, der mit Menschenrechtsfällen befasst ist, sollen als heuchlerische Existenzen vorgeführt werden, denen es ganz recht geschieht, wenn sie übers Ohr gehauen werden.

Was bei Thomas Mann so grandios gelingt: die archetypische Ausprägung der Figuren und die welthaltige Zeichnung der Milieus, kann Alexander Adolph bei seinem Spielfilmdebüt nur andeutungsweise beibringen. Seine Erzählweise schwankt zwischen komischen und tragischen Intonationen, sucht Zuflucht bei einem fernsehspielartigen Banal-Realismus, wagt keinen Ausbruch ins Groteske oder ins richtiggehend Versponnene. Immerhin sorgen Devid Striesow und Nadja Uhl mit ihrer souveränen Präsenz dafür, dass sich die Story immer wieder mit Witz und Charme aufladen kann.

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