Kritik zu Serengeti

© Universum

2011
Original-Titel: 
Serengeti
Filmstart in Deutschland: 
03.02.2011
L: 
100 Min
FSK: 
6

Spätestens seit Bernhard und Michael Grizmeks »Serengeti darf nicht sterben« (1959) hegen deutsche Großtierliebhaber eine besondere Beziehung zur ostafrikanischen Steppe. Nun bringt ein weiteres deutsches Filmteam ein Nachfolgestück auf die Leinwand

Bewertung: 4
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Die Steppenlandschaft in Ostafrika mit ihrem beeindruckenden Wildleben fasziniert seit jeher weit über den Kreis der Natur- und Tierfilmfreunde hinaus. Reinhard Radkes »Serengeti« bietet darüber hinaus bildmächtiges Kino, das es mit den großen internationalen Naturepen der letzten Jahre nicht nur aufnehmen kann, sondern sich in vielen Aspekten – dem bedächtigeren Rhythmus etwa oder der differenzierten Tongestaltung – ganz bewusst eigenwillig positioniert.

Was von dem kleinen Team um den Tierfilmer Reinhard Radke visuell geboten wird, ist enorm und wird durch viel Geduld und neue Digitaltechnik ermöglicht, die Wendigkeit mit hohen Auflösungen verbindet. Im Zentrum steht die alljährliche Massenwanderung von fast zwei Millionen Gnus, Antilopen und Zebras aus dem Ngorongoro-Krater nordwärts bis über den Fluss Mara, der sich als Schneise tief in den Steppenboden eingegraben hat. Eine Krokodilfalle in einer trügerisch idyllischen Wasserstelle wird durch den massiven Einsatz von Zeitlupe zu einem bewegten Horrorgemälde. Auch die üblichen Raubkatzen sind den Herden auf der Spur. Doch dazwischen liegen lange ruhige Strecken, in denen die Silhouetten der ziehenden Tierherden an steinzeitliche Wandmalereien gemahnen.

Auffällig und befremdlich ist nur der vollständige Verzicht auf menschliche Gesellschaft, die bei den Grizmeks noch als Hirten und Wilddiebe oder in Form eines verlassenen deutschen Kolonialforts eine Rolle spielte. In »Serengeti« bleibt Kommentator Hardy Krüger jr. mit sich allein, und auch im Erzähltext scheint die Naturwelt in ihren ewigen Kreisläufen aus der historischen Zeit gefallen. Hinter einem zeitgemäßen wissenschaftlichen Naturverständnis bleibt der Film so weit zurück. So kommt es auch dann etwas unvermittelt aktivistisch daher, wenn in der Schlusspassage das Publikum plötzlich noch vage aufgefordert wird, jeder könne mit seinem Verhalten etwas zum Erhalt der Serengeti tun.

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