Kritik zu Send Help

© 20th Century Studios

Boss und Angestellte stranden auf einer einsamen Insel: Saim Raimi macht aus dem Szenario eine blutige Thrillerkomödie, die an seine frühen Filme erinnert

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Eigentlich ist die fähige Analystin Linda Liddle (Rachel McAdams) diejenige, die die Firma Preston Strategic Solution, in der sie seit sieben Jahren arbeitet, dank ihres Sachverstands am Laufen hält. Da ihr Auftreten jedoch als ungeschickt wahrgenommen wird, wird sie von der Männerseilschaft im Büro, allen voran ihrem neuen Chef Bradley (Dylan O'Brien), gnadenlos gemobbt. Doch mit dem Absturz des Firmenjets, der die beiden allein auf eine einsame Insel verschlägt, wendet sich das Blatt.

Das ist die Ausgangssituation eines Films, mit dem Sam Raimi nach zahlreichen Blockbustern erstmals seit vielen Jahren wieder einen kleinen, schmutzigen Horrorfilm realisiert. Mehr noch: er kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Tanzten in seinem furiosen Low-Budget-Debüt von 1981 buchstäblich die Teufel, so wird nun in dieser grotesken Robinsonade der Dämon toxischer Männlichkeit ausgetrieben. Der arrogante Bradley absolviert dabei einen schmerzhaften Lernprozess, den Sam Raimi auf seine ureigene Art spürbar macht.

Während er wegen seiner Beinverletzung wie ein Kleinkind auf Lindas umsichtige Hilfe angewiesen ist, verwandelt diese – als eifrige Zuschauerin einschlägiger TV-Sendungen über Survivaltechniken – den Inselstrand mit Geschick und Akribie zu einem wohnlichen Outdoor-Camp. Will Linda hier überhaupt noch weg? Einziger Störfaktor ist Bradley, der trotz allem die Rolle des Macho-Bosses nicht abstreifen will. Also ergreift die Überlebensspezialistin hinsichtlich seiner Männlichkeit zu einschneidenden Maßnahmen. Von der entfesselten Kamera über das spritzende Blut bis hin zu den ausgedrückten Augen zitiert Raimi all jene rasanten szenischen Ideen, die »The Evil Dead« seinerzeit zu einem stilbildenden Meisterwerk machten. Rachel McAdams, die bei der Wildschweinjagd buchstäblich die Sau rauslässt, und Dylan O'Brien als nicht lernfähiger Unsympath tragen den bewusst trashig gehaltenen Film, der mit 113 Minuten allerdings etwas zu lang geraten ist.

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