Kritik zu Schönefeld Boulevard

Filmclip "Cindy stellt sich und Dany vor" © Farbfilm

Schönefeld kann sehr kalt sein: Im neuen Film von Sylke Enders muss die Abiturientin Cindy erst einmal ihre Selbstachtung gewinnen

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Es gibt Prognosen, dass der neue Flughafen BER in Schönefeld wahrscheinlich nie fertig wird. Denn wenn es mal so weit kommen sollte, dass er eröffnen kann, wird er technisch schon längst veraltet sein. Gewissermaßen eine ewige Baustelle, die für immer den Eindruck vermitteln wird, dass nichts vorangeht.

Nicht umsonst lässt Regisseurin Sylke Enders ihre Cindy in Schönefeld leben. Denn in ihrem Leben geht auch nicht viel voran. Eigentlich heißt sie ja Cindy 2, weil es in ihrer Klasse eine hübsche und dünnere Cindy One gibt. Cindy ist, nun, wuchtig, wird gerade wegen ihrer Korpulenz veräppelt und von ihrem Vater zu Hause heruntergeputzt. Das klingt nach typisch deutschem Tristessenkino, aber schon die Art und Weise, wie Cindy mit ihrem besten und einzigen Freund, dem Zyniker Danny, umgeht, macht klar, dass Enders auf mehr hinauswill als Mitleid. Und die beiden haben die schönsten Szenen des Films, wenn sie schemenhaft über die nächtliche leere Großbaustelle des Flughafens huschen.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und eigenwillig ist Cindy durchaus. Sie gräbt den finnischen Ingenieur Leif an, der ihr per Zufall über den Weg läuft, indem sie ihm kurzerhand eine Badewanne mit Rosen einlaufen lässt. Und als der mit Verweis auf seine Ehefrau bald die Segel streicht, findet sie schon gleich einen koreanischen Ingenieur, der sie auch auf den Abiball begleitet.

Sylke Enders hat vor mehr als zehn Jahren mit »Kroko« auf sich aufmerksam gemacht, in dessen Mittelpunkt die Anführerin einer Mädchengang stand. »Schönefeld Boulevard« ist gefälliger, verläuft sich manchmal in seiner Coming-of-Age-Geschichte, und Enders schreckt auch vor Schlechtes-Englisch-bei-den-Ossis-Witzen nicht zurück. Aber gekonnt inszeniert sie, unterstützt von einer großartigen Julia Jendroßek als Cindy, das Wachsen von Selbstwertgefühl und Selbstachtung in der Abiturientin.

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