Kritik zu Rubinrot

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Adaption des ersten Bandes von Kerstin Giers Romanreihe um eine verpeilte 16-Jährige, die als Zeitreisende zwischen dem London der Gegenwart und dem des 19. Jahrhunderts unterwegs ist

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Dämonen, Geister und Vampire spuken in den vergangenen Jahren auffallend viel in Literatur und Film herum. Lehrten die Harry Potter-Episoden stellenweise noch das Gruseln, gestalten sich jüngere Exkursionen in magische Welten eher zahm wie etwa in Die Vampirschwestern. Jetzt hüpft in Rubinrot eine 16-Jährige aus den Seiten eines weiteren Jugendbuchs auf die Leinwand.

In der Verfilmung des ersten Bandes von Kerstin Giers Trilogie um eine Zeitreisende weiß das Mädchen anfangs nicht, wie ihm geschieht, als es das erste Mal unvermittelt aus dem zeitgenössischen London aufs stinkende Trottoir derselben Stadt Anfang des 19. Jahrhunderts geschleudert wird. Gwendolyns moderne Kleidung ist dort ebenso deplatziert wie ihre Schnoddrigkeit. Wieder daheim in der Gegenwart, im Kreis von Mutter und Tanten, klärt sich nach und nach auf, dass sie das Zeitreisegen geerbt haben muss und nicht ihre Cousine Charlotte, die auf diese Bestimmung eigentlich vorbereitet war.

Kerstin Gier trat in den Neunzigern unter Pseudonym und unter eigenem Namen zunächst als Autorin jener Art Frauenliteratur in Erscheinung, über die man gern die Nase rümpft. Ihrem Erfolg tat das keinen Abbruch. Giers Romandebüt »Männer und andere Katastrophen« wurde 1999 mit Heike Makatsch als Fernsehfilm umgesetzt. Mit der »Edelstein«-Reihe, die sich allein über eine Million Mal in Deutschland verkaufte und in 28 Ländern erscheint, eroberte sich Gier einen Platz im Jugendbuchsegment; auf die Veröffentlichung von »Rubinrot« 2009 folgten im Jahr darauf die Fortsetzungen »Saphirblau« und »Smaragdgrün«.

Das Drehbuch zur Verfilmung von »Rubinrot« orientiert sich an der gelungenen Literaturvorlage. Die überwiegend weiblichen Fans werden wie schon bei der Twilight-Saga nahezu buchstabengetreu bedient. Die dosiert eingesetzten Spezialeffekte überzeugen. Szenenbild und Ausstattung sind zwar aufwändig, wirken aber wie ein Hybrid aus vertrauten Formaten, in etwa so, als hätte Harry Potter ein wildes Huhn geknutscht. Trotz britischen Kolorits – Big Ben und Millennium Bridge schieben sich prominent in den Vordergrund –, Snobismus und Schuluniformen setzt sich ein heimatverbundener Sound durch: Das Ensemble ist fast ausschließlich mit deutschen Schauspielern besetzt, unter anderem mit den vertrauten Gesichtern von Veronica Ferres, Uwe Kockisch und Katharina Thalbach, die ihre Attitüde der komischen Alten perfektioniert hat.

Eine Augenweide sind zwei junge alte Hasen aus dem Filmgeschäft: Die Hauptdarsteller Maria Ehrich und Jannis Niewöhner standen von Kindheit an vor der Kamera. Ihre gelungene Typisierung und Spielfreude trägt über einige lahme Momente und Redundanzen der Dramaturgie hinweg: Sprachlich überholt wirkt der inflationäre Gebrauch von »cool« und »krass« ebenso wie das Breitwalzen der Geschlechterdifferenz, die zum nervtötenden Geplänkel zwischen Gwen und Gideon wird. Aber diese Mäkelei aus Erwachsenenperspektive wird das Vergnügen eines jugendlichen Publikums an der Verfilmung nicht schmälern.

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