Kritik zu Religulous

© Central Fiilm

2008
Original-Titel: 
Religulous
Filmstart in Deutschland: 
02.04.2009
L: 
101 Min
FSK: 
12

Der amerikanische Comedian Bill Maher begibt sich in seinem Dokumentarfilm auf eine besondere Art Pilgerfahrt: Er will den Gläubigen ein Stück Unglauben näherbringen, mit Witz, Ironie und sehr viel Zynismus

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Der amerikanische Komiker und Fernsehmoderator Bill Maher, Sohn einer Jüdin und eines Katholiken, trifft gläubige Menschen in der ganzen Welt, um sich angeblich bekehren zu lassen. Sein Pilgerweg führt ihn dabei an heilige Orte wie Jerusalem, den Vatikan in Rom, eine muslimische Schwulenbar in Amsterdam oder den »Holy Land«-Vergnügungspark in Orlando, wo er mit einem Jesus-Darsteller spricht. In den Interviews vor laufender Kamera lässt der wortgewandte Maher seine oft naiven Gesprächspartner dann ins offene Messer laufen.

Der Titel »Religulous« ist ein Wortspiel aus den englischen Worten »religious« (dt: religiös) und »ridiculous« (dt: lächerlich). »Aus komödiantischer Sicht hat man mit dem Thema Religion von vornherein den Jackpot gezogen. Es gibt nichts Alberneres als all die uralten Mythen, die heute als Religion weiterexistieren «, sagt Maher im Pressetext. Nicht nur bei zwielichtigen Gestalten wie dem Puerto Ricaner Jose Luis De Jesus Miranda, der als Reinkarnation Christi sein Geld verdient, oder bei dem angeblich zur Heterosexualität bekehrten Pfarrer, der die Schwulen in seiner Gemeinde von der Sünde der Homosexualität heilen will, hat Maher leichtes Spiel. Auch bei den an billige Science-Fiction-Filme erinnernden Weltvorstellungen der Scientologen rennt er offene Türen ein. Mit seiner Angst vor »religiösen Fanatikern wie George W. Bush und Osama Bin Laden« ist Maher ebenfalls nicht allein.

16 Prozent aller Amerikaner sind, laut einer Statistik, die in »Religulous« zitiert wird, nicht gläubig. Und diese Menschen haben keine Lobby. Maher ist mit seinem zynischen Pragmatismus durchaus vergleichbar mit dem deutschen Komiker und Nighttalker Harald Schmidt. Und so nähert er sich dem sensiblen Thema mit einer etwas zu ausgestellten Respektlosigkeit. Maher will »all den religiösen Quatsch als Schwindel entlarven«, will, dass wir endlich erwachsen werden und nicht mehr an den lieben Gott oder den allmächtigen Allah glauben. Er diagnostiziert die Wurzel allen Übels in der Religion.

Regisseur Larry Charles hat vor zwei Jahren das erfolgreiche »Borat! – Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan«-Mockumentary gedreht sowie zahlreiche Folgen der Comedy-Serie »Seinfeld« geschrieben. Subtilität ist nicht seine Stärke. So begnügt er sich in seinem flott montierten Film oft mit billigen Lachern, ohne ausführlicher auf die negativen Auswirkungen von Religion in unserer modernen Zeit einzugehen. Die oft nur sekundenlangen Bildschnipsel von religiös motivierten Terroranschlägen gehen im Schnittgewitter und Gelächter unter. Am Schluss des Films steht Maher in Meggido, dem Ort, an dem sich laut der Offenbarung des Johannes die Apokalypse ereignen soll, und definiert seine blasphemische Botschaft noch einmal deutlich: »Religion must die for Mankind to live. Grow up or Die.« Es mag diese Oberflächlichkeit sein, die den auf Konfrontation zugeschnittenen Film bislang nicht zum erhofften Skandal werden ließ. Und da strenggläubige Menschen sicher nicht in den Film gehen werden, wird er kaum eine Diskussion entfachen. Dennoch sollte den Machern dieses blasphemischen Schenkelklopfers ein Platz im Fegefeuer sicher sein.

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