Kritik zu Real Steel

© Walt Disney

Das Vater-Sohn-Drama von Shawn Levy (Nachts im Museum, Date Night) spielt in einer Zukunft, in der im Boxring Roboter gegeneinander antreten

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Wenn ein Vater mit seinem Sohn am Anfang eines Films kräftig aneinandergerät, dann kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass am Ende – nach gemeinsam gemachten Erfahrungen – die große Versöhnung (oder zumindest eine bemerkenswerte Annäherung) stehen wird. Real Steel macht da keine Ausnahme. Ungewöhnlich ist der Film wegen seines Settings; er spielt in einer nahen Zukunft, in der Boxkämpfe nicht mehr von Menschen, sondern von Kampfrobotern ausgetragen werden. Charlie (Hugh Jackman) ist Besitzer eines solchen Kampfroboters, allerdings eines ziemlich alten Modells, mit dem er nicht in Boxarenen, sondern nur noch auf Jahrmärkten auftreten kann, wo er etwa gegen Stiere kämpft. Charlie ist ähnlich heruntergekommen wie sein Roboter, stets auf der Flucht vor seinen Gläubigern, aber mit einem großen Zweckoptimismus gesegnet. Als er eines Tages erfährt, dass eine Frau, mit der er einst ein Kind zeugte, gestorben ist und er sich um den Jungen kümmern muss, ist er wenig begeistert. Eher gefällt ihm schon das Angebot seiner Schwägerin, den Jungen zu adoptieren, zumal deren reicher Ehemann dafür tief in die Tasche greifen will. Allerdings soll Charlie den Sommer über den Jungen in seine Obhut nehmen.

Bemerkenswerterweise sind Vater und Sohn zu Beginn gleich unsympathisch; der Vater ist offensichtlich ein schlechter Vater, der seinen Sohn bisher vollkommen ignoriert hat und jetzt nur allzu bereit ist, für 75 000 Dollar das Sorgerecht an seine Schwägerin zu übertragen, während der Sohn, als er von diesem Deal erfährt, gleich die Hälfte der Summe für sich beansprucht.

Trotz aller Annäherungen bleibt Charlie aufs Geld fixiert. Noch vor dem vorletzten Kampf will er das 200 000-Dollar-Angebot, das ihm von der Besitzerin des Champions (die den Kampfroboter als Sparringspartner nutzen will) annehmen. Max, sein 11-jähriger Sohn, der dank Videospielen ein guter Kenner der Funktionsweise von Kampfrobotern geworden ist, schnappt sich dagegen das Stadionmikro und fordert den Champion heraus; seine populistische Ansprache findet Anklang, als Kampf »David gegen Goliath« wird das Duell angekündigt. Und selbst wenn »David« den Kampf am Ende nach Punkten verliert, ist er dank seines Stehvermögens doch der »Sieger der Herzen«, »the people’s champion«. Da verbinden sich die Talente des Sohnes mit denen des Vaters, der nach Ausfall der Elektronik den Kampfroboter mittels Schattenboxen anleitet, von seinem Sohn ermutigt mit den Worten: »Yes, you can!«

Aber es ist der Roboter selber – auf den Namen »Atom« getauft –, der das wahre Herz des Films bildet. Er ist nur ein Wesen aus Metall und Elektronik, aber wenn man ihn sieht, dann könnte man denken, er würde jeden Moment lebendig werden. Ein kleiner Kunstgriff genügt dafür, zwei Dellen in dem Gitter, dass die Elektronik in seinem Kopf schützt: sie nehmen die Form von Mund und Nase an. Wie ein entfernter Verwandter des Außerirdischen E.T. wirkt er da, auch wenn Steven Spielberg (der hier als Executive Producer auftritt) für diesen Einfall nicht verantwortlich war.

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