Kritik zu Promised Land

© Universal Pictures

2012
Original-Titel: 
Promised Land
Filmstart in Deutschland: 
20.06.2013
L: 
107 Min
FSK: 
6

Matt Damon schwatzt für einen milliardenschweren Energiekonzern arglosen Bauern ihr Land ab – und Gus Van Sant nutzt die Gelegenheit, um die sich wandelnden Lebensbedingungen der krisengeschüttelten US-Farmer zu beleuchten

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Als Steve (Matt Damon) und Sue (Frances McDormand) in der Provinz anlanden, gehen sie erst einmal shoppen. »Guns, Groceries, Guitars & Gas« steht über dem Laden, und dort gibt es alles, was die beiden für ihren Einsatz brauchen: Karierte Flanellhemden, Jeans, zünftiges Schuhwerk sind wichtig für die ersten Sympathiepunkte im ländlichen Pennsylvania. Schließlich soll man den Handelsreisenden nicht sofort ansehen, dass sie für einen milliardenschweren Energiekonzern unterwegs sind, um den Farmern ihr Land abzuschwatzen. Tief darunter befinden sich Öl- und Gasvorkommen, die mit der umstrittenen Methode des »Fracking« aus dem Erdreich geborgen werden sollen. Steve ist selbst auf einer Farm aufgewachsen und weiß, wie man mit der Landbevölkerung umgeht, die von der Krise schwer gebeutelt ist. Die Millionen, die sein Unternehmen über der Region ausschütten will, wären für die Leute ein Segen. Aber als ein alter Lehrer in der Bürgerversammlung auf die Gefahren des Abbaus hinweist und auch noch ein penetranter Umweltaktivist (John Krasinski) in der Dorfkneipe auftaucht, schwenkt die Stimmung im Ort um.

»Promised Land« erzählt von den Auswirkungen der Rezession aus der Perspektive eines kapitalistischen Raubritters, der sich zunehmend in die Verantwortung gegenüber der Dorfgemeinschaft nehmen lässt. Matt Damon ist hier als »All American Guy« in seinem Element und legt die Figur als knallharten Geschäftsmann an, der einerseits genau weiß, wie man mit arglosen Bauern und korrupten Bürgermeistern umgeht, aber andererseits auch fest davon überzeugt ist, dass er den Farmern in Krisenzeiten den Rettungsschirm aufspannt. Dennoch ist Damon, der gemeinsam mit seinem Schauspielerkollegen John Krasinski auch das Drehbuch geschrieben hat, eigentlich eine Fehlbesetzung. Denn der Läuterungsprozess seiner Figur verläuft hier vollkommen überraschungsfrei ab, weil nun einmal jeder weiß, dass Matt Damon immer ein feiner Kerl ist und bleiben wird. Interessant ist in diesem Film weniger die Entwicklung der Hauptfigur als das Umfeld, in dem diese sich bewegt. Äußerst präzise und klischeereduziert tastet der Film die sich wandelnden Lebensbedingungen und Interessenskonflikte der Farmer in der amerikanischen Provinz ab. So beteuerten Matt Damon und Regisseur Gus Van Sant wiederholt, dass es sich bei »Promised Land« um eine Zustandsbeschreibung der amerikanischen Identität und keineswegs um ein Plädoyer gegen die umstrittene Technologie des »Fracking« handele. Der Film ist in den USA, wo politische Themen meist als Kassengift gelten, durchgefallen.

Tatsächlich ist »Promised Land« alles andere als ein politisches Pamphlet. Vergleicht man den Film etwa mit Steven Soderberghs »Erin Brokovich«, in dem Julia Roberts als Anwaltsgehilfin gegen kapitalistische Umweltverschmutzer ins Feld zog, erkennt man deutlich die Unterschiede: In »Promised Land« weicht die Parteilichkeit einer komplexen Darstellung der politischen Verhältnisse, die sich den Widersprüchen der Realität stellt, aber dadurch auch – und dafür ist der Film ein leider gutes Beispiel – schnell an dramaturgischem Drive verlieren kann.

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